Das vom Buddha gesprochene Sūtra vom Universellen Tor
佛說普門品經
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聞如是:
So habe ich gehört.
一時佛遊王舍城靈鷲山中,與大比
丘眾俱,比丘八百,菩薩四萬二千——得諸總持,
神通已達,聖智弘暢,辯才無礙,三昧已定,無
所不博。
Zu einer Zeit weilte der Buddha auf dem Geierberg (Gṛdhrakūṭa) bei Rājagṛha, zusammen mit einer großen Versammlung von Mönchen: achthundert Bhikṣus und zweiundvierzigtausend Bodhisattvas. Alle Dhāraṇīs hatten sie erlangt; ihre übernatürlichen Kräfte waren bereits gemeistert; ihre Weisheit, die Weisheit eines Buddha, war weit und strömte frei dahin; ihre Redegewandtheit war ungehindert; in Samādhi waren sie gefestigt; und es gab nichts, worin sie nicht umfassend bewandert gewesen wären.
時有菩薩名離垢藏,與九萬二千菩
薩,從普華如來國來,其世界名曰淨行,今遊
在此,欲詣忍界靈鷲山有所諮受。
Zu jener Zeit war da ein Bodhisattva namens Vimalagarbha. Mit zweiundneunzigtausend Bodhisattvas war er aus dem Buddha-Land des Samantakusuma Tathāgata gekommen, aus jener Welt, die Viśuddhacaryā heißt, die Welt der Reinen Wandlung. Nun waren sie unterwegs hierher und wollten zum Geierberg, zum Gṛdhrakūṭa, in der Sahā-Welt, der Welt des Erduldens, um die Lehre zu erfragen und zu empfangen.
時佛遙見
即笑,口中光焰乃有殊特異色光明,普照十
方內外明徹無不通達。
Da sah der Buddha sie von ferne und lächelte sogleich. Aus seinem Mund traten Flammen des Lichts hervor, ein Glanz von außerordentlicher und eigentümlicher Farbe, der allumfassend die zehn Himmelsrichtungen erhellte, innen und außen, klar hindurchscheinend und überall ohne Hindernis hindurchdringend.
爾時大士溥首僮真
菩薩,即於大眾會中,起整衣服,偏袒右肩,長
跪叉手,白佛言:「世尊!何笑耶?笑乃有諮澤,非
世所明,非菩薩大士之所能堪,憐愇乃如此。
唯所尊笑當有意,願示不及,咸亦樂聞。」
Zu jener Zeit erhob sich das große Wesen Mañjuśrī Kumārabhūta inmitten der großen Versammlung, rückte sein Gewand zurecht, entblößte die rechte Schulter, kniete aufrecht nieder, faltete die Hände und redete den Buddha an mit den Worten: „Welterhabener, warum lächelst du? Dieses Lächeln trägt gewiss eine gnädige Absicht, die von der Welt nicht verstanden wird, die nicht einmal die Bodhisattvas und großen Wesen voll zu ertragen vermögen. So tief ist sein mitfühlendes Sorgen. Gewiss muss das Lächeln des Welterhabenen seinen Sinn haben. Ich bitte dich, das zu offenbaren, was wir nicht zu erreichen vermögen, denn auch die ganze Versammlung wünscht es von Herzen zu hören.“
於是
世尊告溥首菩薩:「乃東方去此無量無數不
可計會阿僧祇百千姟數,有世界名淨行。其
佛號普華如來,常與無數億億百千菩薩摩
訶薩圍遶,共講不退轉、不思議之法。有尊菩
薩名離垢藏,與無數千諸菩薩大士眷屬圍
遶,幡飛遊步虛空。佛心念斯離垢藏,簡別由
路遠步諸國,宣普華如來至真等正覺命,來
受普門品,今尋當還會詣菩薩眾。于時大聖,
即如其像,顯揚其教,示現咸應,令無數無限
世界諸菩薩眾尋時悉來,至斯忍土,往於大
梵天。是故我笑耳!」
Da sprach der Welterhabene zu Mañjuśrī: „Fern im Osten, jenseits dieses Ortes, über unermessliche, unzählbare, nicht zu berechnende Asaṃkhyeya von Hunderttausenden von Koṭis hinaus, liegt eine Welt mit Namen Reiner Wandel. Der Buddha jener Welt heißt Samantakusuma Tathāgata. Beständig ist er umgeben von unzähligen Koṭis über Koṭis, von Hunderttausenden von Bodhisattva-Mahāsattvas, und mit ihnen legt er den Dharma der Nicht-Zurückfallen, den Avaivartika-Dharma, und den unvorstellbaren Dharma dar.
„In jener Welt lebt ein edler Bodhisattva mit Namen Vimalagarbha, umgeben von einem unermesslichen, tausendfachen Gefolge von Bodhisattvas, großen Wesen. Mit wehenden Bannern ziehen sie durch den leeren Himmelsraum dahin. Jener Buddha rief diesen Vimalagarbha in seinen Geist und erwählte ihn, den weiten Weg durch die vielen Länder zu schreiten, das Gebot des Samantakusuma Tathāgata zu verkünden, des Wahrhaftigsten, des vollkommen Erleuchteten, und herzukommen, um die Lehre vom Universellen Tor zu empfangen. Bald wird er zurückkehren und sich der Versammlung der Bodhisattvas zugesellen.
„Zu jener Zeit trat der große Vollendete in solchen Gestalten hervor, breitete seine Lehre aus und verkündete sie, ließ überall Erscheinungen aufgehen, die allen antworteten, und bewirkte, dass die Versammlungen der Bodhisattvas aus Welten ohne Zahl und ohne Grenze zugleich herbeikamen, hierher in diese Welt des Leidens, die Sahā-Welt, bis hinauf zur Großen Brahmā-Welt. Darum lächelte ich.“
言適竟,彼離垢藏菩薩與
諸大眾,忽然以別,到此靈鷲山,眷屬圍遶行
到佛所,稽首足下,却住一面。此靈鷲山中諸
菩薩眾,閑居燕者,悉來集會,禮畢竟却就坐。
Kaum waren diese Worte gesprochen, da verließ der Bodhisattva Vimalagarbha mit den großen Versammlungen plötzlich seinen Ort und gelangte zu diesem Geierberg, umringt von seinem Gefolge. Sie traten an den Ort, wo der Buddha weilte, neigten ihre Häupter zu den Füßen des Buddha und zogen sich zur Seite zurück. Und die Versammlungen der Bodhisattvas dieses Geierbergs, jene, die in stiller Zurückgezogenheit lebten, kamen alle herbei und versammelten sich; als sie ihre Ehrerbietung vollendet hatten, zogen sie sich zurück und nahmen ihre Sitze ein.
時離垢藏菩薩,應時化作七寶蓮花,其葉有
千,持詣能仁如來、至真、等正覺,稽首奉上,白
曰:「普華如來、至真、等正覺,淨行世界,聖尊敬
問:『無量遊步康彊,勢力輕利,起居安隱,多所
救濟。』今見遣來,宣敬誨啟,受普門品等不可
思議清淨之品,為開士說。」
Da brachte der Bodhisattva Vimalagarbha im selben Augenblick durch Verwandlung einen Lotus aus den sieben Kostbarkeiten hervor, einen Lotus mit tausend Blütenblättern. Er trug ihn herbei zum Tathāgata Śākyamuni, dem Wahrhaftigsten, dem vollkommen und völlig Erwachten, neigte sein Haupt, brachte ihn dar und sprach: „Samantakusuma Tathāgata, der Wahrhaftigste, der vollkommen und völlig Erwachte, in der Welt des Reinen Wandels, der Heilige und Erhabene, lässt voll Ehrerbietung fragen: ‚Bist du wohl und stark auf deinem unermesslichen Weg des Wirkens? Ist deine Kraft leicht und scharf? Ist dein tägliches Leben friedvoll und sicher? Rettest und befreist du viele?‘ Ich bin nun entsandt, seine ehrerbietige Unterweisung und Bitte zu überbringen: dass du das Universelle Tor und die anderen Lehren von unfassbarer Reinheit aufnehmest und sie den Bodhisattvas darlegest.“
時離垢藏菩薩大
士,問訊周畢,退在虛空,結加趺坐,與諸開士,
坐寶蓮花上。
Als nun der Bodhisattva-Mahāsattva Vimalagarbha seinen Gruß vollständig dargebracht hatte, zog er sich in den Luftraum über der Versammlung zurück, setzte sich mit gekreuzten Beinen und nahm gemeinsam mit den übrigen Bodhisattvas auf den juwelenen Lotosblüten Platz.
爾時溥首僮真,便於大眾會中
起,更整衣服,偏袒右肩前,長跪叉手,而白佛
言:「善哉,世尊!願說普門品不可思議道品法
原,為菩薩分別演之!憶念往古過久遠世時,
從普證明如來、至真、等正覺,聞斯經典,興立
八十四萬百千億姟三昧,又還七十七億百
千諸姟總持門行。唯願世尊,愍諸菩薩,重宣
揚之。」
Zu jener Zeit erhob sich Mañjuśrī Kumārabhūta inmitten der großen Versammlung, rückte sein Gewand zurecht, entblößte die rechte Schulter, kniete aufrecht nieder, faltete die Hände und redete den Buddha an: „Vortrefflich, Welterhabener. Möge der Welterhabene das Universelle Tor darlegen, den unvorstellbaren Ursprung des Dharma der Pfadglieder, und es für die Bodhisattvas unterscheiden und entfalten. Ich vergegenwärtige mir, wie ich vor langer Zeit, in einem Zeitalter, das in fernste Ferne entschwunden ist, dieses Sūtra vom Tathāgata Samantaprabhāsa vernahm, dem Wahrhaftigsten, dem vollkommen Erleuchteten. Da brachte ich vierundachtzig hunderttausend koṭi-nayuta Samādhis hervor und befestigte sie, und übte überdies siebenundsiebzig hunderttausend koṭi-nayuta Dhāraṇī-Lehren. Ich erbitte allein dieses: Möge der Welterhabene aus Mitgefühl mit den Bodhisattvas es noch einmal verkünden.“
佛告溥首僮真:「諦聽,善思念之!吾當為
汝,具說普門內藏不可思議祕寶中心之事。」
Der Buddha sprach zu Mañjuśrī Kumārabhūta: „Hört aufmerksam zu und bedenkt es gut. Ich will euch das Universelle Tor vollständig auslegen, jenen unvorstellbaren Schatz, der darin verborgen liegt, und die Sache, die sein innerstes Herz ist.“
於是溥首菩薩并其大眾,咸共答曰:「唯,世尊!
願樂欲聞。」
Da antwortete der Bodhisattva Mañjuśrī mit der ganzen Versammlung wie aus einem Munde: „Ja, Welterhabener. Wir hören es gern.“
爾時溥首僮真與諸菩薩,一心受
教而聽。
Zu jener Zeit empfing Mañjuśrī Kumārabhūta mit den Bodhisattvas mit gesammeltem Geist die Lehre und hörte zu.
佛告溥首:「若有菩薩摩訶薩,欲學普
門品所入之法,等遊於色,等遊音聲,等遊臭
香,等遊眾味,等遊細滑,等遊心界,等遊女
人,等遊男子,等遊僮女,等遊童子,等遊諸
天,等遊諸龍,等遊諸鬼神,等遊揵沓和,等
遊阿須倫,等遊迦樓羅,等遊真陀羅,等遊摩
睺勒,等遊地獄,等遊餓鬼,等遊畜生,等遊貪
婬,等遊瞋恚,等遊愚癡,等遊諸善,等遊眾德
本,等遊諸有為,等遊諸無為。如是,溥首!諸開
士所可周旋為若此,一切悉等,以居平等,具
足至道不轉,普入法要,深微一密,空無寂靜,
是為學入普門定門之法。」
Der Buddha sprach zu Mañjuśrī:
„Wenn es einen Bodhisattva-Mahāsattva gibt, der den Dharma erlernen will, in den man durch das Universelle Tor eintritt, so durchwandert er mit Gleichheit die Form, durchwandert mit Gleichheit den Klang, durchwandert mit Gleichheit die Gerüche und Düfte, durchwandert mit Gleichheit die mannigfachen Geschmäcker, durchwandert mit Gleichheit das Tastbare und durchwandert mit Gleichheit den Bereich der Geistesobjekte.
Er durchwandert mit Gleichheit die Frauen, durchwandert mit Gleichheit die Männer, durchwandert mit Gleichheit die Mädchen und durchwandert mit Gleichheit die Knaben; er durchwandert mit Gleichheit die Devas, durchwandert mit Gleichheit die Nāgas, durchwandert mit Gleichheit die Geister und Spukwesen, durchwandert mit Gleichheit die Gandharvas, durchwandert mit Gleichheit die Asuras, durchwandert mit Gleichheit die Garuḍas, durchwandert mit Gleichheit die Kiṃnaras, durchwandert mit Gleichheit die Mahoragas; er durchwandert mit Gleichheit die Höllen, durchwandert mit Gleichheit die Hungergeister, durchwandert mit Gleichheit die Wiedergeburt als Tier; er durchwandert mit Gleichheit die Gier und die Lust, durchwandert mit Gleichheit den Hass, durchwandert mit Gleichheit die Verblendung; er durchwandert mit Gleichheit die heilsamen Dharmas, durchwandert mit Gleichheit die Wurzeln des Verdienstes; er durchwandert mit Gleichheit alle bedingten Dharmas, durchwandert mit Gleichheit alle unbedingten Dharmas.
So ist es, Mañjuśrī. So beschaffen ist der Bereich, in dem die Bodhisattvas sich bewegen. Alles ohne Ausnahme ist gleich. Indem sie in der Gleichheit verweilen, vollenden sie ganz und gar den höchsten Weg und kehren nicht mehr zurück; sie treten allerorten in das Wesentliche des Dharma ein, das tief ist und fein, einig und verborgen, leer und still.
Dies ist der Dharma des Lernens, in das Samādhi-Tor des Universellen Tores einzutreten.“
佛告溥首僮真:「何謂菩薩等遊於色者?曉了
解色,如水之沫而不可得,不可護持,無有堅
固,則為等意觀無有色,是謂菩薩等遊於色。」
Der Buddha sprach zu Mañjuśrī: „Was bedeutet es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die Form wandert? Es bedeutet, die Form klar zu erkennen und zu durchschauen: daß sie ist wie Schaum auf dem Wasser, der sich nicht greifen läßt, der sich nicht festhalten läßt, der weder Festigkeit noch Beständigkeit hat. Dann betrachtet man mit gleichmütigem Geist, daß es keine wesenhafte Form gibt. Das bedeutet es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die Form wandert.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊音聲?如人呼聲而
有嚮應,尋即消滅,則無形像,不知所至。一切
無有若干之事,而無差特,亦無有相,已了無
相,人所言者虛無無實,已曉諸音深山嚮報,
則能等觀,是為菩薩等遊音聲也。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī: „Was heißt es, daß ein Bodhisattva sich gleichmütig durch den Klang bewegt? Es ist wie bei einem Menschen, der ruft, und ein Echo antwortet; sogleich verklingt es, ohne Form und ohne Abbild, und niemand weiß, wohin es gegangen ist. In all dem ist keine vielfältige Unterscheidung, kein Unterschied, und auch kein Zeichen ist darin. Wer die Zeichenlosigkeit voll erkannt hat, der weiß, daß das, was die Menschen sprechen, leer ist, hohl und ohne Substanz. Wer alle Klänge als das Echo erkannt hat, das in den tiefen Bergen widerhallt, der vermag dann gleichmütig zu betrachten. Dies heißt es, daß ein Bodhisattva sich gleichmütig durch den Klang bewegt.“
又告溥首:
「何謂菩薩等遊臭香?周旋往返百億劫數,鼻
之所嗅而無有厭,眾香來趣劇於風雨,皆集
歸身,如大海淵無有充滿,其香之像無常百
變,變化如幻無有根原,或亂道德而不可擁,
如此則為虛偽法也!無有真諦,設求審試亦
無合會處。由是倫之,斯無所有而不可持,虛
無無實,恍惚若空,如幻如化,亦無本形,影想
識着緣起成形,若能分別虛無無實,是為菩
薩等觀,則遊於臭香。」
Und weiter sprach der Buddha zu Mañjuśrī: „Was heißt es, dass ein Bodhisattva gleichmütig durch die Gerüche und Düfte wandert? Durch hundert koṭi von Kalpas wendet er sich um, kommt und geht, und die Nase wird im Riechen niemals satt. Die vielen Düfte strömen heran, heftiger als Wind und Regen, sammeln sich und kehren alle zum Körper zurück, gleich dem Abgrund des Ozeans, der niemals gefüllt wird. Das Abbild eines Duftes ist vergänglich und wandelt sich hundertfach; seine Verwandlungen sind wie Illusion und haben keine Wurzel und keinen Ursprung. Mag er auch das edle Üben in Verwirrung stürzen, so lässt sich der Duft selbst doch nicht ergreifen. Ein solcher also ist ein falsches, erdichtetes Ding. Es trägt keine höchste Wahrheit, und wer es auch sucht und gründlich prüft, findet keinen Ort, an dem es zusammenkommt.
„Erwägt man es auf diese Weise, so ist es nichts, das ergriffen werden könnte, leer, ohne Bestand und ohne Wesen, unbestimmt wie der Raum, wie Illusion, wie magische Erscheinung, und ohne jede zugrunde liegende Gestalt. Durch schattenhafte Vorstellungen und das Anhaften des Bewusstseins gibt das bedingte Entstehen ihm seine Form. Wer es als leer, ohne Bestand und ohne Wesen zu unterscheiden vermag, dem ist dies des Bodhisattva gleichmütiges Betrachten, und so wandert er durch die Gerüche und Düfte.“
又告溥首:「何謂菩薩等
遊眾味?至於喉咽不知醎味,亦無不味。從因
緣分別,但舌之所甘耳!由緣合會百千種味,
斯為幻化。地之所生滋同一味,無若干也。曉
了覺知,無想不念,一切同甘,是為菩薩等觀
遊於眾味。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī: „Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die mannigfaltigen Geschmäcker wandert? Wenn der Geschmack die Kehle erreicht, wird das Salzige nicht als solches erkannt, und doch ist es nicht so, daß gar kein Geschmack wäre. Der Geschmack wird durch Ursachen und Bedingungen unterschieden; er ist nichts weiter als das, was die Zunge schmeckt. Aus dem Zusammentreffen der Bedingungen entstehen hunderttausend Geschmäcker, und diese sind illusorisch. Was die Erde an Nahrung hervorbringt, ist von einem einzigen Geschmack, und es ist keine Vielfalt darin. Dies klar zu durchschauen und zu erkennen, ohne Wahrnehmung und ohne anhaftendes Denken, alles als gleichermaßen von einem Geschmack zu nehmen, das ist die gleichmütige Betrachtung des Bodhisattva, und so wandert er durch die mannigfaltigen Geschmäcker.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊細滑者?志有所存,
緣起求之,身服華蒻加榮好色,珍寶異奇,其
柔軟者,而不可得,已都斯緣,細滑䩕𩉳適住,亦無所著。計于細滑無益,已世之慾,愚
惡所貪,立生死本,皆由斯起。明智大士,則知
其釁,不與從事,永世無患。一切所有地之所
載,有形之屬一等無二也。但聞色所造,橫作
人民,使作種種異色,已被服之,迷亂道德不
親賢眾。達者覺知,不與從事也。隱居被褐懷
智作愚,外若夷人內懷明珠,千億萬劫與道
同軀,遠離吾我,亦無我想,細滑與我二者同。
無虛無實,如幻如化,亦無所依,亦無住處。因
著被服乃有所猗,達士覩之覺無所有,是為
菩薩等觀遊於細滑。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī: „Was heißt es, dass ein Bodhisattva gleichmütig durch das Tastbare wandert? Wenn der Geist bei einem Ding verweilt und durch die Bedingungen danach sucht, kleidet sich der Leib in feines, geblümtes Tuch, schmückt sich mit herrlichen Farben, mit Juwelen und seltenen, wunderbaren Dingen. So weich sie sich auch anfühlen, ergreifbar sind sie nicht. Wenn alle diese Bedingungen ganz durchschaut sind, dann haftet er am Tastbaren nicht, mag es noch so weich und angenehm am Leibe ruhen.
„Er erwägt, dass im Tastbaren kein Nutzen liegt, dass es ein weltliches Verlangen ist, das die Törichten und die Bösen gierig begehren, und dass es die Wurzel des Saṃsāra aufrichtet, aus der dies alles entsteht. So erkennt das weise und erleuchtete große Wesen die Gefahr darin, lässt sich nicht darauf ein und bleibt auf ewig ohne Bedrängnis.
„Alles, was die Erde trägt, alles, was Gestalt hat, ist ein und dasselbe, ohne ein Zweites. Allein vom Hören dessen, was aus den Erscheinungen gefügt wird, machen sich die Menschen verkehrt ans Werk und bringen Farben aller Art hervor; und sind sie erst in sie gekleidet, so sind sie vom Pfad und vom Edlen abgeirrt und halten sich nicht mehr nahe zur Gemeinschaft der Würdigen. Der Verständige erkennt dies und lässt sich nicht darauf ein.
„Er weilt verborgen, in grobes Wolltuch gehüllt, hält Weisheit und erscheint doch als ein Tor, äußerlich wie ein gewöhnlicher Mensch und innerlich doch die helle Perle tragend. Tausend koṭis von zehntausend Kalpas ist sein Leib eins mit dem Pfad, fern dem Selbst und ohne die Vorstellung eines Selbst. Das Tastbare und das Selbst, diese beiden sind dasselbe. Sie sind weder falsch noch letztlich wirklich, gleich einer Illusion, gleich einer Zauberschöpfung, ohne Stütze und ohne Aufenthaltsort. Erst aus dem Anhaften an dem, was getragen wird, kommt es, dass es etwas gibt, woran man sich lehnt. Der Verständige, der es erblickt, erwacht zu seiner Nichtsheit. Dies ist die gleichmütige Betrachtung des Bodhisattva, und so wandert er durch das Tastbare.“
又告溥首:「何謂菩薩等
遊心法?心法者,三界人之護也。安慰勸樂,悉
令集會,安之以德,勸之以權,授之以慧,普修
梵行,於三界澹然立在一處,亦無合離,使永
執心莫知所存;不見形像音聲往來,亦無猶
豫。所應如心,眾無合散,不知住處,亦無所適。
若現若干種色,色色各異,於內亦無處,處亦
無有住,如幻如化,虛無處無,處無所處。達士
覩之,了無所有,便自執心,無念無求,見若不
見,聞若不聞,澹然自守,是為菩薩等觀遊於
心法。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, dass ein Bodhisattva mit gleichem Blick durch das Feld der Geistesobjekte wandert? Das Feld der Geistesobjekte ist der Schützer der Wesen in den drei Bereichen. Er tröstet sie und erfreut sie, er versammelt sie alle; mit Verdienst gibt er ihnen Halt, mit geschicktem Mittel ermutigt er sie, mit Weisheit beschenkt er sie, und allumfassend übt er das Brahmacarya.
Innerhalb der drei Bereiche weilt er friedvoll, an einem Orte gegründet, ohne zu vereinen und ohne zu trennen, und er hält den Geist fest, sodass niemand weiß, wo er weilt. Er erblickt weder Form noch Abbild, noch das Kommen und Gehen des Klanges, und kein Zögern ist in ihm. Was dem Geiste entspricht, das fügt sich für die vielen weder zusammen noch zerstreut es sich; kein Aufenthaltsort wird erkannt, und es gibt nichts, wohin sie gingen.
Mögen auch mancherlei Arten von Form erscheinen, und jede Form sich von der anderen unterscheiden: im Innern ist kein Ort für sie, und der Ort selbst hat keine Statt. Sie sind wie eine Illusion, wie ein Blendwerk, leer und ortlos, und der Ort ist gar kein Ort. Der Durchdringende erblickt dies und erkennt, dass nicht das Geringste vorhanden ist; daraufhin meistert er seinen eigenen Geist, ohne Gedanke und ohne Suchen, sehend, als sähe er nicht, hörend, als hörte er nicht, friedvoll sich selbst hütend. Dies ist des Bodhisattva gleicher Blick, und so wandert er durch das Feld der Geistesobjekte.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊於意?意遊女
人,察于四大,則無女人。志癡惑者,悉於愛欲,
荒于虛無,其體一等,無可毀者。計有女者,猶
如幻士,化作人像,低昂鞊曲,隨人意起,因彼
所行,從其所樂,女人如幻,起色欲意,彼無有
女也。人同一等,癡者所惑,意者從欲,欲便致
愛,愛致樂此,不可猶放,急宜調之䩭達之,分別如空,空無寂靜而無有形;緣起因
對,無對無起也。若能分別如斯者,是為菩薩
等觀遊於女人意法。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was bedeutet es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die Wahrnehmung wandert? Wenn die Wahrnehmung sich dem Gegenstand ‚Frau‘ zuwendet und man sie nach den vier großen Elementen untersucht, so findet sich keine Frau. Die, deren Sinnen verblendet und verwirrt sind, verfangen sich ganz in Begierde und Verlangen und verlieren sich in dem, was nicht wirklich ist; und doch ist ihre Natur von einer Gleichheit, und nichts ist darin, das beeinträchtigt werden könnte.
Wer annimmt, daß da eine Frau sei, gleicht dem Gaukler, der ein menschliches Abbild hervorbringt: es senkt und hebt sich, es beugt und wiegt sich, es erhebt sich nach dem Geist dessen, der es wahrnimmt, es bewegt sich, wie jener handelt, und folgt dem, woran er sich erfreut. Die Frau ist wie eine Illusion. Wenn das Verlangen nach Form im Geiste aufsteigt, so ist dort keine Frau.
Alle Menschen sind von einer und derselben Gleichheit; allein die Verblendeten werden dadurch verwirrt. Die Wahrnehmung folgt der Begierde, die Begierde bringt sodann das Begehren hervor, und das Begehren bringt die Freude an diesem hervor. Einem solchen Geist darf man nicht freien Lauf lassen. Eilends muß er gezähmt und gezügelt werden und als der Leerheit gleich erkannt werden. Die Leerheit ist still und ohne Gestalt. Sie entsteht durch bedingtes Entstehen, einem Gegenstand zugeordnet, und doch gibt es kein wirkliches Gegenüber und so kein wirkliches Entstehen. Wer auf diese Weise zu unterscheiden vermag, dessen gleichmütige Betrachtung ist es, und so wandert der Bodhisattva durch das Feld des Geistes, das die Frau betrifft.“
又告溥首:「何謂菩薩等
遊淨法也?淨為如男子,如令男子等自發意,
其心如金剛,專意獨雄猛興,念斯女人,欲心
為無色,其實不可獲,亦不現女像等,惟諸色
欲,發起女人想。設欲所思想,斯男斯女人等
如野馬、水中月,如是觀者,則無男女。了無男
形,女人俱然,虛偽而立,如無久存,但化幻示
現,慌現便滅。以能分別覺知男意女意,此兩
者空無所有也,已能平等,則能現女,復化成
男。是為菩薩等觀遊於男子淨法。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die reinen Dharmas wandert? Die Reinheit ist hier am Manne zu verstehen. Nimm an, ein Mann läßt aus sich selbst eine Absicht aufsteigen: sein Geist ist wie Vajra, seine Absicht gesammelt, allein und in heldenhafter Kraft sich erhebend, und er ruft sich eine Frau ins Gedächtnis. Das lüsterne Herz ist formlos; in Wahrheit kann es nicht ergriffen werden, und kein Abbild einer Frau tritt hervor. Es sind allein die mannigfachen Gegenstände des Begehrens, die die Wahrnehmung einer Frau aufsteigen lassen.
„Faßt einer einen Gedanken des Begehrens, so sind dieser Mann und diese Frau gleichermaßen wie eine Luftspiegelung, wie der im Wasser gespiegelte Mond. Wer auf diese Weise betrachtet, für den ist da weder Mann noch Frau. Es gibt überhaupt keine männliche Gestalt, und mit der Frau ist es ebenso. Beide sind falsch errichtet und bestehen nicht lange. Sie sind nur erschaffene Spiegelungen, zum Erscheinen gebracht, die aufflackern und sogleich wieder vergehen.
„Vermag einer das männliche Erkennen und das weibliche Erkennen zu unterscheiden und zu durchschauen, so weiß er, daß diese beiden leer sind und ohne irgend etwas. Hat der Bodhisattva diese Gleichheit verwirklicht, so kann er sich alsdann als Frau zeigen und sich wiederum in einen Mann verwandeln. Dies ist des Bodhisattva gleichmütige Betrachtung; so wandert er durch die reinen Dharmas, die den Mann betreffen.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊僮女也?如拔樹根,
萌終不復生,心不復起,從是則止,其明智者
不於求果,果亦不可得。若有種姓之家詪詪
之子,聰達別議,曉發一切勇猛想無念,如枯
樹不生花實,如枯竭江河水不流,斯等於僮
女女子,如此所現平等,如空無無實,觀彼女
人本亦清淨,觀彼男子本亦清淨,觀彼泥洹
本亦清淨,如是等者,則為等觀遊於僮女。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, dass ein Bodhisattva gleichmütig durch die Maid wandert? Es ist, wie wenn man die Wurzel eines Baumes ausreißt, sodass der Spross niemals wieder treibt. Der Geist erhebt sich nicht mehr, und von da kommt er zur Ruhe. Wer klare Weisheit besitzt, sucht keine Frucht, und keine Frucht ist zu erlangen.
„Nimm an, da sei der Sohn aus einem Hause von edler Linie, scharf und unterscheidend, klug und geübt darin, die Bedeutungen zu sondern, der alle Dinge hell durchschaut. Er erweckt einen mutigen Vorsatz und hält doch an keiner festen Vorstellung. Wie ein verdorrter Baum weder Blüte noch Frucht hervorbringt, wie ein ausgetrockneter Fluss kein Wasser hat, das fließe, so steht er der Maid gegenüber, der jungen Frau.
„Was sich auf solche Weise zeigt, ist gleich, wie die Leerheit, ohne Sein und ohne letzte Wirklichkeit. Er betrachtet jene Frau als von Ursprung an rein. Er betrachtet jenen Mann als von Ursprung an rein. Er betrachtet jenes Nirvāṇa als von Ursprung an rein. Wer so ist, der betrachtet alle Dinge gleich, und so wandert er durch die Maid."
又告溥首:「何謂菩薩等遊僮男?若如樹木,設
無有萌牙則無根莖,設無有根莖則無華實,
設無華實則無果名字也。女人如是,設無女
人則無男子,等於男女則無吾我,緣號立字
想於無知,覺女無生,不有子性,解一切人無,
無則為等則平等。是為等觀菩薩如是遊於
僮男。」
Und weiter sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch den Knaben geht? Es ist wie mit einem Baum: ist kein Keim, so ist keine Wurzel und kein Stamm; ist keine Wurzel und kein Stamm, so ist keine Blüte und keine Frucht; ist keine Blüte und keine Frucht, so ist auch kein Name ‚Frucht‘.
„So ist es mit der Frau. Ist keine Frau, so ist kein Mann. Sind das Männliche und das Weibliche gleichgemacht, so ist kein Selbst, kein Ich und kein Mein. Namen werden durch abhängige Benennung gesetzt, und Vorstellungen werden auf das gebildet, was nicht erkannt wird. Wer erkennt, daß die Frau ungeboren ist, sieht, daß keine Nachkommen-Natur besteht. Wer versteht, daß alle Personen ohne eigenständiges Bestehen sind, und daß dieses Ohne-Sein eben Gleichheit ist, der gelangt zur Gleichheit.
„Dies ist das gleiche Betrachten; so geht der Bodhisattva durch den Knaben.“
又告溥首:「何謂菩薩遊於諸天?諸天嚴淨功
德自然,其意鮮潔,心淨口淨,無有瑕穢,宮殿
綺飾無造立者,心樹妙華亦無種者,福德自
然,若如幻化,生無思議,淨光琉璃,械度淨了,
亦無尸爽,虛無成立天為偽體,自然生形恍
惚而現,勝說平等現諸天像,是為虛無,無借
外之喻。案內觀歷三十二天,宮殿樓閣自然
之數,無有見者,唯得道人乃知之耳。是以菩
薩深觀內外平等無異,是為菩薩等遊諸天。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva unter den Devas umherwandert? Die Devas sind majestätisch und rein, und ihr Verdienst erscheint von selbst. Ihr Sinnen ist frisch und makellos; ihr Geist ist rein und ihre Rede ist rein, ohne Flecken und ohne Befleckung. Ihre Paläste sind kunstvoll geschmückt, und doch gibt es keinen Erbauer, der sie errichtet hätte. Die wunderbaren Blüten des Geistesbaumes haben keinen Sämann. Ihr Verdienst erscheint von selbst, illusorisch wie eine trügerische Verwandlung, geboren jenseits allen Denkens.
Sie strahlen in reinem Glanz wie vaiḍūrya, von vollkommen reiner Klarheit, und keine leichenhafte Trübung ist in ihnen. Aus Leerheit gefügt, ist der Deva-Leib ein nur scheinbarer Leib. Eine Gestalt, die von selbst entsteht, erscheint sie dämmrig und ungewiß. Erhaben verkündet als Gleichheit, treten die Erscheinungen der Devas hervor. Dies ist Leerheit, die kein von außen entliehenes Gleichnis braucht.
In innerer Schauung durchwandert der Bodhisattva die zweiunddreißig Himmel, wo Paläste, Türme und Hallen von selbst in zahlloser Menge entstehen. Niemand vermag sie zu sehen; nur wer den Weg erlangt hat, erkennt sie. Darum schaut der Bodhisattva tief, daß Inneres und Äußeres gleich sind und ohne Unterschied. Das heißt es, daß ein Bodhisattva gleichermaßen unter den Devas umherwandert.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊諸龍也?見無水興
雲七日,雨所露潤無不澹浴,不在外內,遍閻
浮利,漸歸大海所滿水所由來。眾生如是,學
若干緣,緣此多求起滅致憂,現無數罪種種
不同,案內觀歷瞋怒何從?龍反鮫驚,人人皆
然,崩天破地,皆從龍興,內龍不反,外龍不從,
福無自然,眾生無有。愚冥之子,以虛為實;菩
薩大士覩龍平等,內外相應,慈同一等。是為
菩薩等遊於龍。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die Nāgas wandert? Er sieht: wo kein Wasser war, lassen die Nāgas sieben Tage lang Wolken aufsteigen, und der Regen, der niedergeht, befeuchtet und badet alle Dinge in Stille, ohne Unterschied von außen und innen. Er durchdringt ganz Jambudvīpa und kehrt allmählich zum großen Ozean zurück, dem Ursprung, aus dem alle seine Wasser kamen.
So ist es mit den Lebewesen. Sie lernen auf dem Wege mannigfaltiger Bedingungen, und um dieser Bedingungen willen suchen sie viel. Aus dem Entstehen und Vergehen ziehen sie sich Kummer zu, und sie bringen zahllose Verfehlungen hervor, vielfältig und voneinander verschieden. Wer nach innen blickt, betrachtet dies: woher kommt der Haß?
Wenn der Drache sich wendet und antwortet, schrecken die Geschöpfe des Meeres auf; und Mensch um Mensch ist es so mit allen. Die Himmel werden erschüttert und die Erde zerrissen, und dies alles steigt aus den Nāgas auf. Doch antwortet der innere Drache nicht, so folgt der äußere Drache nicht. Das Verdienst hat kein Selbstsein; und ebenso haben die Lebewesen keines. Die verblendeten Kinder der Finsternis halten das Unwirkliche für wirklich.
Der Bodhisattva, der mahāpuruṣa, aber erblickt die Nāgas als gleich: das Innere und das Äußere entsprechen einander, und die liebende Güte ist eine und dieselbe in der Gleichheit. Dies ist es, was es heißt, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die Nāgas wandert.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊鬼神?心如門開,與
色有像,其身高大,為不可及,諸念一會;百千
之眾,亦無形像,音響為應。譬如飲毒,自害其
已。其心一類,無可畏者,皆由放恣,遊盜自縱。
因難所禁,會有恐懼,此法無有實也。眾想並
來歸,其想不可議,無實為空說。案內觀歷鬼
神從何興也?其內鬼神若干百千之眾,其外
亦然。內不發恐懼,外則無畏;其內不悲哀,外
則不淚出。內發鬼神之想,外有若干百千鬼
神之眾,皆來歸之。緣此致病或至死亡,受無
數苦,皆由邪心不正故也。菩薩大士覺知虛
無,無鬼神,一切從心意起,則能平等心淨,意
寂平等不邪,是以無有嬈害菩薩者。若現鬼
像種種變化,內自觀察了無鬼神,外者尋滅,
此之謂也。是為菩薩等遊鬼神。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die Geister und Dämonen wandert? Der Geist ist wie ein Tor, das aufgestoßen wird: er fügt der Form das Abbild hinzu, und der herbeibeschworene Leib ragt hoch und gewaltig auf, unerreichbar, dort wo die mannigfachen Gedanken zu einem zusammenkommen. Doch dieser Schwarm von Hunderttausenden hat keine wirkliche Gestalt und kein wirkliches Abbild; sein Laut und sein Widerhall sind nichts als Antwort.
Es ist wie das Trinken von Gift: man schadet einzig sich selbst. Der Geist ist ganz von einer einzigen Art; da ist nichts, das zu fürchten wäre. Alle solche Furcht kommt aus der Zügellosigkeit, aus dem Umherschweifen und Stehlen, aus dem Sichgehenlassen. Wenn man dann von Schwierigkeit eingeengt wird, erhebt sich unweigerlich die Furcht. Dieses Ding hat keine Wirklichkeit. Die vielen Gedanken kommen alle zusammen und kehren wieder als Geister und Dämonen. Diese Gedanken sind unfaßbar, und da sie ohne Wirklichkeit sind, werden sie leer genannt.
Indem man nach innen blickt, betrachtet man: woher erheben sich die Geister und Dämonen? Wenn innen ein Schwarm von Hunderttausenden Geistern und Dämonen ist, so ist es auch außen. Wenn innen kein Schrecken erregt wird, ist außen keine Furcht. Wenn innen kein Kummer ist, treten außen keine Tränen hervor. Wenn innen der Gedanke an Geister und Dämonen erzeugt wird, erscheinen außen Hunderttausende von Geistern und Dämonen, die alle herankommen und sich auf einen sammeln.
Dadurch wird man krank, gelangt selbst bis zum Tode und erleidet zahllose Schmerzen, und all dies allein wegen eines verkehrten Geistes, der nicht aufrecht ist. Der Bodhisattva-Mahāsattva erwacht zu dem, was leer und nicht wirklich ist: es gibt keine Geister und Dämonen, und alles erhebt sich aus Geist und Denken. So vermag er einen Geist zu erlangen, der unparteiisch und rein ist, sein Sinnen gestillt, unparteiisch und nicht verkehrt. Darum gibt es nichts, das den Bodhisattva stören oder ihm schaden könnte.
Sollten sich geisterhafte Gestalten in mannigfachen Verwandlungen zeigen, so blickt er nach innen und betrachtet, findet klar, daß da keine Geister und Dämonen sind, und die äußeren Erscheinungen vergehen augenblicklich. Dies ist gemeint. So ist es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die Geister und Dämonen wandert.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊揵沓和?其法無性
而音說往,曉無往來亦無還返,如空無形,隨
聲如立。若有菩薩大士內觀察之,若無想識
則無揵沓和,揵沓和者,鬼神之導首也。內不
起想,外無邪念,何緣致此眾病要集?揵沓和
者,有名無形,音響往返,無有見者。等說之要,
了無所有。揵沓和者,虛無無實,菩薩等觀,斯
由幻化。是為菩薩等遊揵沓和。」
Und weiter sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva in gleichem Sinn durch die Gandharvas wandert? Das Gandharva-Phänomen ist ohne Eigennatur, und doch tritt es durch Laut und Wort hervor. Erkenne: es gibt kein Kommen und kein Gehen und auch kein Zurückkehren. Wie der leere Raum ist es ohne Gestalt; in Abhängigkeit vom Klang erscheint es, als stünde es da.
Wenn ein Bodhisattva-Mahāsattva dies nach innen betrachtet, so gibt es dort, wo keine Wahrnehmung und kein Bewußtsein sind, auch keinen Gandharva. Der Gandharva ist der Führer der Geister und Dämonen. Wird im Innern kein Gedanke gefaßt und regt sich im Äußern kein verkehrter Gedanke, auf welchem Grunde sollte dann diese Schar von Krankheiten sich notwendig sammeln?
Der Gandharva ist Name ohne Gestalt, Klang und Widerhall, die kommen und gehen, und niemals ist einer da, der gesehen würde. In gleichem Sinn ausgesprochen, ist sein wesentlicher Punkt dieser: er ist gänzlich ohne irgendein Bestehen. Der Gandharva ist leer, hohl und ohne Substanz. Der Bodhisattva betrachtet ihn in gleichem Sinn und findet ihn als bloße trügerische Wandlung. Das heißt es, daß ein Bodhisattva in gleichem Sinn durch die Gandharvas wandert.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊阿須倫?以事有證
因,阿須倫心等,無起無滅,無生無盡,而現平
等。一切瞋怒毒意,皆由阿倫。阿倫者,龍神也,
多嫉妬心而現平等,是為菩薩等觀遊於阿
須倫為意法。」
Und weiter sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleich durch die Asuras hindurchgeht? Am Gegenstand, der sich darbietet, zeigt sich der erweisende Grund. Der Geist der Asuras ist gleich: ohne Entstehen und ohne Erlöschen, ungeboren und unerschöpflich, und so manifestiert er die Gleichheit.
Aller Hass, aller Zorn und alle giftige Gesinnung gehen aus dem Asura hervor. Der Asura ist ein Geistwesen. Wenngleich sein Geist von Neid und Mißgunst erfüllt ist, manifestiert er doch die Gleichheit. Dies ist die gleiche Betrachtung des Bodhisattva, und so geht er durch die Asuras hindurch als einen Gegenstand des Geistes.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊迦樓羅?告受立辭
名號,設無名色,名色由舌,從舌致禍,立罪根
本。菩薩大士學深智遠,覺之為空無,如斯幻
化從意生形,無有見者,音聲往返因羸弱耶!
心不政者,如是變化億百千眾,案內觀歷,二
者俱空無所有也!菩薩等觀無迦樓羅,是為
菩薩等觀遊於迦樓羅。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleichermaßen die Garuḍas durchwandert? Es gibt das Empfangen und Festsetzen von Worten und Namen; und doch, wenn es keinen Namen und keine Form gibt, so entstehen Name und Form aus der Zunge. Aus der Zunge wird das Unheil erreicht, und so steht die Wurzel der Übertretung gegründet.
„Der Bodhisattva-Mahāsattva, dessen Schulung tief ist und dessen Erkenntnis weit reicht, erwacht zu diesem als leer und nichtig. Auf diese Weise läßt die illusorische Verwandlung Form aus dem Geist hervorgehen, und doch ist da kein Sehender. Klang und Stimme gehen aus und kehren zurück. Geschieht dies nicht aus Schwäche?
„Wenn der Geist nicht recht geordnet ist, verwandelt er sich auf diese Weise in Hunderttausende von Myriaden von Scharen. Indem man im Inneren prüft und hierin betrachtet, sind die beiden zugleich leer und ohne irgend etwas.
„Der Bodhisattva betrachtet gleichermaßen, daß es keinen Garuḍa gibt. Dies ist des Bodhisattva gleiche Betrachtung, und so durchwandert er die Garuḍas.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊真陀羅也!法無作
而作,無作不作,亦能有所立,復能有壞。飛行
於虛空無有及者,立號真陀羅。一切皆由手,
手執諸作事,意生手則動,動則犯大乘,是使
有獄苦,皆由真陀羅。若菩薩分別無所生眾,
離於作事,手自不動搖,何因有真陀羅也?案
內觀歷,不動則不搖,不起則不滅,不生則不
死,內動則外發,意走手則作事,事便墮苦,墮
苦則有病,病者皆有鬼神,鬼神者則真陀羅
也!菩薩大士曉了於空,空而復空,無空無實,
等觀真陀羅。一切皆由化,無有正法形,平等
諸作事,則無真陀羅。是為菩薩等觀遊於真
陀羅。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva sich gleichmütig durch die Kiṃnaras bewegt? Dieser Dharma wirkt und ist doch ohne Wirken; er wirkt nicht und unterläßt das Wirken auch nicht. Und doch vermag er zu setzen, und er vermag auch zu zerstören. Wer durch den leeren Himmel reist, dem keiner gleichkommt, dem wird der Name Kiṃnara gegeben.
Dies alles geht aus der Hand hervor. Die Hand ergreift und vollführt die mancherlei Taten. Wenn der Geist sich regt, dann bewegt sich die Hand. Bewegt sie sich, so verstößt man gegen das Mahāyāna. Daraus entstehen die Leiden der Hölle, und alles geht aus dem Kiṃnara hervor.
Wenn aber der Bodhisattva erkennt, daß kein Wesen hervorgebracht wird, und vom Vollbringen der Taten frei ist, dann bewegt und regt sich die Hand von selbst nicht mehr. Welche Ursache bliebe dann für irgendeinen Kiṃnara?
Indem man dies nach innen prüft und der Reihe nach betrachtet: Was unbewegt ist, regt sich nicht; was nicht entsteht, vergeht nicht; was nicht geboren wird, stirbt nicht. Regt es sich im Innern, so bricht es nach außen hervor. Läuft der Geist, dann vollführt die Hand die Tat. Die Tat fällt darauf ins Leiden; ins Leiden gefallen, gibt es Krankheit; die Kranken alle haben Geister; und die Geister, die sind eben die Kiṃnaras.
Der Bodhisattva-Mahāsattva durchschaut klar die Leerheit: die Leerheit ist abermals leer, weder Leerheit noch irgend etwas Wirkliches. Den Kiṃnara betrachtet er gleichmütig. Alles ist gewirkte Wandlung. Der wahre Dharma hat keine feste Form. Wenn alle Taten gleichgemacht sind, gibt es keinen Kiṃnara. Dies ist die gleichmütige Betrachtung des Bodhisattva, und so bewegt er sich durch die Kiṃnaras.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊摩睺勒?其法所名,
立若干人,種種受形莫不由之,人之本類,隨
其種數,現若干法,一切立,形其名故,法無所
有,職號如是。在形為胸臆,離形為摩睺勒,所
想為虛無,道成於胸臆。胸臆執大祿,心正得
成道,分別諸想識,諸念亦俱止,無想致自然,
但說平等音,一切為斷決疑,故現摩睺勒。是
為菩薩深入等觀。案內觀歷,內無所起,外無
所造,是則無摩睺勒之名字也!是為菩薩等
觀遊於摩睺勒。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die mahoragas wandert? Dieser Dharma ist eine Bezeichnung, durch die mannigfaltige Wesen begründet werden; daß sie vielerlei Gestalten empfangen, leitet sich in jedem Falle aus ihm her. Die Grundarten der Wesen erscheinen, der Zahl ihrer Gattungen gemäß, als verschiedene Dharmas. Alle sind nur vorläufig gesetzt: die Gestalt läßt ihre Namen entstehen. Doch ist in diesem Dharma nichts Wirkliches; so lautet die ihm zugewiesene Bezeichnung.
„Innerhalb der Gestalt ist es das innerste Herz; außerhalb der Gestalt ist es der mahoraga. Was erdacht wird, ist leer und nicht wirklich, und der Weg vollendet sich im innersten Herzen. Das innerste Herz trägt die große Gabe, und wo der Geist aufrecht ist, wird der Weg erlangt. Wer die mannigfaltigen Wahrnehmungen und Bewußtseinsregungen durchschaut, dem kommen zugleich alle Gedanken zur Ruhe. Ohne begriffliche Wahrnehmung gelangt er in den von selbst erscheinenden Zustand.
„Indem der Bodhisattva allein die Stimme der Gleichheit spricht, tritt er als mahoraga in Erscheinung, um alle Zweifel abzuschneiden und aufzulösen. Dies ist das tiefe Eindringen des Bodhisattva in die gleiche Betrachtung.
„Wer nach innen prüft und hierdurch betrachtet, der findet: im Inneren entsteht nichts, im Äußeren wird nichts gebildet. So gibt es keinen Namen, keine Bezeichnung ‚mahoraga‘. Dies ist die gleiche Betrachtung des Bodhisattva, und so wandert er durch die mahoragas.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊地獄也?法無,無地
獄,想識成形,地獄無主,求者自然,如呼聲
響應,蠅投燈火,自然之數無可救者。所以者
何?身口招之,自然對至,空無造者,從己想與。
想無所有,空返往空返,厄難之緣自從己起,
己自賢勅病無從入。身口無犯,亦無死者,地
獄清淨,鮮潔無垢。菩薩大士所以不畏生死
者,無地獄之緣。所以者何?不犯禁故。知覺如
幻,亦無所有,雖立諸相,相無、不著相,亦無不
相,相無所有,幻化成象。其見相者無不喜悅,
喜悅至慈,因登大願,別如虛空平等寂然,而
現地獄諸苦惱患。案內觀歷,口致身怨,口為
獄戶,但入不出,入便消盡,出為泥土,如是懃
苦當更億數。是以菩薩閉口不語,不以諮口
有所食噉,亦無言說澹而自守,不入眾會,不
稱為己,口無二言,忍諸所作;菩薩如是則無
地獄。地獄之緣但由口,言出罪入,無離此患。
菩薩守口不擇其味,慈同一等無有細軟,食
噉充軀支形而已。是為菩薩等觀遊於地獄。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch den Höllenbereich wandert? Als wirklicher Dharma ist die Hölle nicht zu finden; es gibt keine Hölle. Wahrnehmung und Bewußtsein bilden den scheinbaren Leib, doch der Höllenbereich hat keinen Herrn. Was dort gesucht wird, erscheint von selbst, wie das Echo dem Ruf antwortet, wie die Fliege sich in die Flamme der Lampe stürzt. Es folgt seiner eigenen, von selbst sich ergebenden Ordnung, und keiner ist da, der es retten könnte.
„Warum ist das so? Leib und Rede rufen es herbei, und die Vergeltung kommt von selbst herzu. Es ist leer, ohne einen, der es macht; aus der eigenen Wahrnehmung wird es hervorgebracht. In der Wahrnehmung ist nichts Seiendes: leer, kehrt sie zurück; gehend, kehrt sie ins Leere zurück. Die Bedingung des Unglücks erhebt sich von selbst aus einem selbst. Wo einer in sich gesegnet und seiner selbst mächtig ist, findet das Übel keinen Eingang.
„Wo Leib und Rede kein Vergehen begehen, ist auch keiner, der stirbt, und der Höllenbereich ist rein, frisch, lauter und ohne Flecken. Daß der Bodhisattva-Mahāsattva den Saṃsāra nicht fürchtet, liegt daran, daß er keine karmische Bedingung trägt, die zur Hölle führt. Warum ist das so? Weil er kein Gebot übertritt.
„Er erkennt das Gewahren als illusorisch, ohne etwas Seiendes darin. Wenngleich Merkmale aufgestellt werden, sind die Merkmale nicht vorhanden; er haftet nicht an Merkmalen, und doch gibt es auch keine Merkmallosigkeit. Die Merkmale haben nichts Seiendes in sich, trügerische Erscheinungen, in Gestalt heraufbeschworen. Wer dies erblickt, ist von Freude erfüllt, und die Freude reicht hinein in die liebende Güte. Dadurch steigt er auf zum großen Gelübde, ununterschieden wie der Himmel, gleich und still, während er gleichwohl alle Leiden, Bedrängnisse und Qualen der Höllen erscheinen läßt.
„Festhaltend und nach innen schauend in der Betrachtung: die Rede zieht dem Leibe Feindschaft zu. Die Rede ist die Tür der Hölle. Sie tritt nur ein und kommt nicht heraus. Einmal eingetreten, wird sie aufgezehrt; was heraustritt, wird zu Schlamm und Erde. Solches Mühen und Leiden muß in weiteren Millionen gezählt werden.
„Darum schließt der Bodhisattva den Mund und spricht nicht; er befragt nicht die Vorlieben des Mundes in dem, was er ißt; er macht keine Äußerung, sondern ist friedvoll und in sich gehütet; er begibt sich nicht in die Versammlungen; er lenkt die Aufmerksamkeit nicht auf sich; sein Mund hält keine doppelte Rede; er erduldet alles, was ihm angetan wird. Da der Bodhisattva so ist, hat er keine Hölle.
„Die Bedingung der Hölle kommt einzig aus dem Munde. Worte gehen hinaus und Vergehen tritt herein; vor dieser Bedrängnis gibt es kein Entrinnen. Der Bodhisattva hütet seinen Mund und trifft keine Wahl unter den Geschmäckern. Seine liebende Güte ist eine und dieselbe in Gleichheit, ohne Vorzug für das Feine oder das Weiche. Er ißt allein, um den Leib zu füllen und das Gerüst zu stützen, und nichts weiter. Dies ist die gleichmütige Betrachtung des Bodhisattva, und so wandert er durch den Höllenbereich.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊餓鬼也?餓鬼無形
亦無有名,本無處所,亦無所止,因慳而立,貪
欲致之,慳亦無所住。不解所有,不知大法,計
有吾我不覩無常,香聞億萬,老之甫甚,從慳
致貪,從貪致欲,從欲致愛,從愛致樂,從樂致
憂,從憂致苦,從苦致痛,從痛致結,從結致
病,病致死處。在三難之中不得衣食,身裸飢
乏不得水漿,立號為字名曰餓鬼。菩薩大士
知悉本無,了無餓鬼,寂靜如空。所以者何?菩
薩常行平等,摜鼻不嗅眾香,一無所慕樂。慳
從鼻入,致斯大殃,鼻為心壹混淪之精,亦無
所入,亦無所出,不受香色,則無所貪,設無所
貪,則無慳惜。是為菩薩等觀餓鬼。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleichmütig durch die Hungergeister wandert? Der Hungergeist hat keine Form und keinen Namen. Von Anfang an hat er keinen Ort und keine Bleibe. Er entsteht durch den Geiz, und Gier und Begehren rufen ihn hervor; doch der Geiz selbst hat keine Bleibe.
Ein solches Wesen versteht nicht, was ist, kennt den großen Dharma nicht, hält dafür, daß es ein Selbst gebe, und erblickt die Vergänglichkeit nicht. Es riecht die Düfte zu Myriaden und Abermillionen, und schwer lastet die Bürde des Alters auf ihm. Aus dem Geiz kommt die Gier, aus der Gier kommt das Begehren, aus dem Begehren kommt das Verlangen, aus dem Verlangen kommt die Freude, aus der Freude kommt der Kummer, aus dem Kummer kommt das Leiden, aus dem Leiden kommt der Schmerz, aus dem Schmerz kommt die Fessel, aus der Fessel kommt die Krankheit, und die Krankheit führt zum Ort des Todes.
Gefangen unter den drei ungünstigen Zuständen, erlangt es weder Kleidung noch Nahrung. Sein Leib ist nackt, hungernd und erschöpft, und es erlangt weder Wasser noch Brei. Durch einen solchen Zustand erhält es seine Bezeichnung und wird Hungergeist genannt.
Der Bodhisattva-Mahāsattva weiß, daß dies alles von Anfang an ohne Eigennatur ist, erkennt klar, daß es keinen Hungergeist gibt, und sieht ihn als still und leer wie der Raum. Warum ist das so? Weil der Bodhisattva beständig das Gleichmaß übt. Er legt das Anhaften durch die Nase ab und riecht die mannigfaltigen Düfte nicht, und es gibt nicht ein Ding, nach dem er sich sehnt oder an dem er sich erfreut.
Der Geiz tritt durch die Nase ein und ruft dieses große Unheil hervor. Die Nase ist die eine, ungeschiedene Wesensmitte des Geistes; und dennoch nimmt sie nichts auf und sendet nichts aus. Da sie weder Duft noch Form empfängt, gibt es dann nichts, wonach er gierig wäre; und gibt es nichts, wonach er gierig wäre, so gibt es dann auch keinen Geiz und kein Festhalten. Dies ist das gleichmütige Betrachten der Hungergeister durch den Bodhisattva.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊畜生?法無畜生,從
因緣起,如雲霧像,現若干色,色各不同。見之
悅喜便致想,生死起滅恚從中起,起想念識
十二連著,閉結不解招致畜生。彼則無根,悉
無所有,心思虛無,皆由諸色。色則德根馳走
五道,宛轉生死受形無數,或為飛鳥,或為走
獸。空無常名,因形立字,等如陰霧,種種色像,
畜生志性,罪福如幻,迷惑虛妄,而說畜形。菩
薩大士計無吾我,了無名字,目初視色,意不
貪色,心不念色,身不利色。菩薩以是四等心,
亦觀內色外色,飛行十方窈冥之處,無不通
達,皆從眼出入。眼者日月之精,有二名:入色
為金翅鳥,出色為文殊師利。案內觀歷,一切
諸名皆從眼入,動生死根本,橫有所造,皆由
金翅鳥,故號畜生。畜生群萌之類,蠕動喘息
𮄲身中都計合之,亦為三千大千國土,國有百
億之數,如是不可一一計之,上有三十三天,
下至金剛剎土,其中間有大泥犁十八之難。
諸天人民所居處,各有宮殿及非人、鬼神、龍、飛
鳥走獸,下及樹木草茅,其有形之屬皆在人
身中,其數這停等,一物不等者,其人便其
短;物物相應,無差特者,其人便聰明有黠慧。
若人盜賊,虎狼毒獸,若墮溝坑,樹木所拒,蛇
犬所害,皆從發外,乃有應崩身碎體,當責現
在之事,不可倚着前世宿仇,當自內外思惟。
𣭖形外形等等無異,人人皆如是。內起惡意,外
尋來應,內有反臣,外臣便反,害便人身。愚癡
之人,不能自知,坐怨鬼神,一切由色。入眼
之物,眼為心候,主名百凶,快心之歡,必有後
患,一切由之。致斯畜生等說寂聲,是為菩薩
等遊畜生。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, dass ein Bodhisattva gleichmütig durch den Bereich der Tiere wandert? Als wirklicher Dharma ist kein Tier zu finden. Es entsteht aus Ursachen und Bedingungen, gleich dem Trugbild von Wolken und Nebel, das vielerlei Formen hervorbringt, und jede Form ist von der anderen verschieden. Beim Anblick erhebt sich Freude, und aus dieser entsteht die Wahrnehmung. Geburt und Tod erheben sich und vergehen, und im Inneren erhebt sich der Widerwille. Aus dem Aufkommen von Wahrnehmung, Achtsamkeit und Bewusstsein werden die zwölf Glieder aneinandergebunden. Das Schließen der Fesseln, die nicht gelöst werden, ruft die Wiedergeburt als Tier herbei.
„Doch dies hat keine Wurzel. Es ist gänzlich ohne ein Seiendes. Das Denken des Geistes ist leer und unwirklich, und all dies geschieht durch die Formen. Die Form, sie ist das ergreifende Vermögen, das durch die fünf Daseinsbereiche rast, sich wälzt und wendet durch Saṃsāra, zahllose Leiber empfängt und bald zum fliegenden Vogel wird, bald zum laufenden Tier.
„Der Name ist leer und vergänglich. Auf der Grundlage der Gestalt wird eine Benennung errichtet, gleich der Dunkelheit des Nebels, den mannigfaltigen Bildern der Form. Das Wesen des Tieres, sein Vergehen und sein Verdienst, sie sind wie Illusion, verwirrt und unwirklich, und dennoch spricht man von einer Tiergestalt.
„Der Bodhisattva, der mahāpuruṣa, erwägt, dass es kein Selbst gibt, und erkennt klar, dass es keine Namen gibt. Wenn das Auge zum ersten Mal die Form erblickt, begehrt der Geist die Form nicht, verweilt der Geist nicht bei der Form, und der Leib zieht keinen Gewinn aus der Form. Mittels dieser vier Unermesslichen, nämlich der liebenden Güte, des Mitgefühls, der Mitfreude und des Gleichmuts, betrachtet der Bodhisattva auch die innere Form und die äußere Form. Durch die zehn Himmelsrichtungen reist er, bis zu den verborgenen und dunklen Orten, und durchdringt überall, und all dies tritt durch das Auge ein und aus.
„Das Auge ist die reine Essenz von Sonne und Mond, und es trägt zwei Namen: wenn die Form eintritt, ist es der Suparṇa, der goldgeflügelte Vogel; wenn die Form hinausgeht, ist es Mañjuśrī.
„Indem man im Inneren prüft und hierdurch betrachtet, treten alle Namen durch das Auge ein und erschüttern die Wurzel von Saṃsāra. Wo immer ein verquertes Hervorbringen geschieht, geschieht es allein durch den Suparṇa. Darum wird es der Bereich der Tiere genannt.
„Die Scharen der Tierarten, die kriechenden und sich windenden Wesen, die atmen, sie alle werden zusammen als im Leibe gegenwärtig erwogen. Ebenso der Trichiliokosmos, der große Chiliokosmos, dessen Länder hundert koṭi zählen und nicht eines nach dem anderen erwogen werden können. Oben ist der Himmel der Dreiunddreißig Götter, unten erstreckt sich der Vajra-Bereich, und dazwischen liegen die Qualen der achtzehn großen Höllen.
Die Wohnstätten der Götter und Menschen mit ihren Palästen, dazu die Nichtmenschen, die Geister und Dämonen, die Nāgas, die fliegenden Vögel und die laufenden Tiere, herab bis zu den Bäumen, Gräsern und dem Reet, alles, was Form besitzt, ist im menschlichen Körper gegenwärtig. Fehlt unter ihnen auch nur eine einzige Entsprechung, so ist jener Mensch dadurch mangelhaft. Wenn aber jedes Ding mit jedem Ding ohne Unterschied übereinstimmt, so ist jener Mensch klug und mit scharfer Weisheit begabt.
„Wenn ein Mensch auf Diebe und Räuber trifft, auf Tiger, Wölfe und giftige Tiere, wenn er in einen Graben oder eine Grube stürzt, von Bäumen versperrt oder von Schlangen und Hunden verletzt wird, so geht all dies aus dem Inneren hervor; erst dann kommt die antwortende Erwiderung, die den Leib zermalmt und die Gestalt zerbricht. Man soll die gegenwärtige Sache verantwortlich halten und sich nicht auf alte Feindschaft aus einem früheren Leben stützen. Man soll über das Innere und das Äußere nachsinnen. Die innere Gestalt und die äußere Gestalt sind gleich, dieselbe und ohne Unterschied, und so ist es bei jedem Menschen.
„Wenn böse Absicht im Inneren aufsteigt, kommt das Äußere sogleich zur Antwort. Ist im Inneren ein aufrührerischer Minister, so empört sich auch der äußere Minister, und Schaden trifft den Leib des Menschen. Der verblendete Mensch, der sich selbst nicht zu erkennen vermag, gibt müßig den Geistern die Schuld, wo doch alles durch die Form geschieht.
„Was nun in das Auge eintritt: das Auge ist der Späher des Geistes, der Herr, der die hundert Übel genannt wird. Die Freude, die den Geist erheitert, hat gewiss ihre spätere Bedrängnis, und alles geschieht durch dies. So wird der Bereich der Tiere herbeigerufen, und er wird gleichmütig als der Klang der Stille dargelegt. Das ist es, was es heißt, dass ein Bodhisattva gleichmütig durch den Bereich der Tiere wandert.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊貪婬也?法無貪婬,
從因緣起,緣起致貪,貪愛欲,欲從想起,所
想無有想,如虛空,空無處所,因欲致惑,賊亂
本性,立憂患本。貪婬如空,處不可得,隨形如
影,隨聲如響,無實無像,獲不可得。愚類顛
倒,思想塵勞。法無塵垢,空無寂靜,欲虛如空,
無能救盡者,至於十方,求不可見。貪婬無形,
愚冥所貪,貪欲自喪,亡失人形,懼不安隱在
藏匿處,與世悼別,長不復會。若如走獸常懷
畏懅,譬如丈夫向敵,心懷怖懼走,棄捨馳走,
得無見我也!我者亦空,奔走疲極,亦無追者,
唐自苦體,執勞如斯,居家恩愛,是亦復空。然
人慈慕用貪欲故,欲為繫閉牢獄之憂,欲為
猛志,存恤群生,無著婬泆,一切無患,中惡之
兆,普得安隱。一切皆空而無所有,空復遂
空未之有也。彼無解脫,愚癡顛倒,反告想闇
冥,不解法如虛空無存無亡。去來今佛解諸
貪欲,貪欲無脫,結在眾難,愛欲悉空,虛無無
實,其譏貪婬則求脫欲,欲脫欲者不起二念。
斯皆無本,本無有本,本自然淨,無有沾污,如
佛道場平等無想。覩婬泆者,不離殃釁,從如
寂者,彼慕離欲,所想皆空,乃離諸想。如所發
念,念無所念,僥脫貪婬,謂當度欲想無所求,
不懷本際,貪欲無思,本淨如斯,則不想脫,
假令度欲,則謂為淨。貪欲空無,計此無二,愚
冥不解,便作二想。法無男女,平等一體,天之
為父,地之為母,天地所生有何異者?菩薩等
行,則無男女之求,如幻如化本末如斯,覩男
女別者是為離本,則失議句,發諸想念,眾網
來然,貪欲無起,不興想念則無眾網,不燒諸
結,眾網不解,解貪婬者,假號愛欲無染著,諸
名無礙知,欲無無得,覩真究竟,不懷靜修,等
志內外無假見。貪欲者知不得脫,貪欲佛法
等如泥洹,解貪欲除,等離吾我,知貪欲寂,等
術澹泊。案內觀歷,諸欲從耳,耳與意通,轉相
承受,勇猛無能當者,一切無不降伏,有二名:
入欲為師子王,出欲為維摩詰。於三界猶出,
無所不入,無所不出。是以菩薩等於淨穢,耳
不受五音,為十方天上天下之導,造成大導,
不以勞惓。要聞法者當先食,十方內外三千
大千國土,其中人物類數,日月雖明,由不能
照,人雖有眼目,不能見遠遠之事,耳處在閑
居之地,不覩光目顏色之數而為第一,十方
上下內外細微之事,先來歸耳!耳者無所慕
樂,是號無垢之稱。等觀諸法,以法為食,耳之
先聞,聞法者為先食也。所以菩薩得不飢渴,
但以無聞為食,無見為漿,少語言以為百味,
平等欲淨,欲如虛空,空無塵埃,如泥洹而澹
泊,於諸見如幻化,是為菩薩平等觀於諸法
遊於貪婬。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, dass ein Bodhisattva gleichmütig durch Gier und Begierde wandert? Als wirkliche Dharmas sind Gier und Begierde nicht zu finden. Sie entstehen aus Ursachen und Bedingungen. Das bedingte Entstehen bringt die Gier hervor; die Gier führt zur Begierde; die Begierde erhebt sich aus der Wahrnehmung. Doch in dem, was wahrgenommen wird, ist keine Wahrnehmung, gleich dem leeren Himmel, leer und ohne Ort. Durch die Begierde wird Verblendung hervorgebracht, ein Dieb, der die eigene Eigennatur in Unordnung bringt und die Wurzel von Kummer und Bedrängnis aufrichtet.
Gier und Begierde sind wie der leere Himmel; ihr Ort ist nicht zu finden. Sie folgen der Form, wie der Schatten der Form folgt, und sie folgen dem Klang, wie das Echo dem Klang folgt. Ohne Substanz und ohne Abbild werden sie erlangt und sind doch nicht zu ergreifen. Die Törichten, in ihrer Verkehrtheit, nehmen Wahrnehmung und Gedanken für Befleckung und Mühsal. In den Dharmas ist kein Staub und keine Befleckung. Sie sind leer, gestillt und ruhig. Die Begierde ist leer wie der Himmel; niemand kann aus ihr gerettet werden wie aus einem Ding, denn sucht man auch durch die zehn Himmelsrichtungen, sie ist nicht zu sehen.
Gier und Begierde sind ohne Form, und doch begehren jene, die in finsterer Verblendung sind, nach ihnen. Durch die Gier verliert sich ein Mensch selbst, verwirkt die menschliche Gestalt, voller Furcht, ohne Ruhe und verborgen, in Kummer von der Welt geschieden, niemals wieder zu begegnen. Er gleicht einem wilden Tier, das beständig Furcht in sich trägt, oder einem Manne, der dem Feind gegenübersteht: das Herz von Schrecken erfüllt, flieht er, wirft alles von sich und läuft davon, auf dass er nicht gesehen werde.
Doch auch das Selbst ist leer. Er läuft, bis er gänzlich erschöpft ist, obwohl es überhaupt keinen Verfolger gibt. Vergeblich quält er den eigenen Leib und müht sich ohne Ziel. Die Zuneigung und Liebe des Hausstandes, auch sie ist leer. Doch weil die Menschen in ihrem zärtlichen Sehnen die Gier gebrauchen, wird die Begierde zum Kummer eines festen Kerkers. Wird die Begierde hingegen zu einem festen Entschluss, die Lebewesen zu hegen und zu behüten, ohne Anhaften an Begierde und Ausschweifung, dann gibt es überhaupt keine Bedrängnis, und selbst inmitten böser Vorzeichen erlangen alle Frieden und Sicherheit.
Alles ist leer und ohne irgendetwas Bestehendes; und die Leerheit selbst wird geleert, niemals zur Existenz gekommen. Jene ohne Befreiung, töricht und verkehrt, erklären statt dessen, die Wahrnehmung sei Finsternis. Sie verstehen nicht, dass die Dharmas wie der leere Himmel sind: weder bestehend noch vergehend. Die Buddhas der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft durchschauen alle Gier. Die Gier hat keine eigene Befreiung. Ihre Fesseln sind eingebunden in vielerlei Schwierigkeiten. Liebe und Begierde sind ganz und gar leer, nichtig und ohne Substanz.
Wer die Gier tadelt, der sucht damit die Befreiung von der Begierde; doch wer von der Begierde befreit werden will, lässt keinen zweifachen Gedanken aufkommen. All dies ist ohne Wurzel. Die Wurzel hat keine Wurzel. Die Wurzel ist von sich aus von Natur rein, ohne Makel und ohne Befleckung, gleich dem Ort des Erwachens des Buddha, gleich und ohne Wahrnehmung. Wer Begierde und Ausschweifung erblickt, scheidet nicht von Unheil und Schuld. Wer dem Gestillten folgt, sehnt sich danach, frei von Begierde zu sein; und da alles Wahrgenommene leer ist, scheidet er von allen Wahrnehmungen.
Was die Gedanken betrifft, die aufsteigen, so ist im Gedanken nichts gedacht. Wer erhofft, von der Gier befreit zu werden, der sagt, er solle die Begierde überwinden, mit einer Wahrnehmung, die nichts sucht, ohne irgendeine vorige Grenze in sich zu tragen. Die Gier hat keinen Gedanken. Da die Wurzel auf diese Weise rein ist, nimmt man nicht einmal die Befreiung wahr. Wer die Begierde überwindet, das wird Reinheit genannt. Die Gier ist leer; wer dies bedenkt, in dem ist keine Zweiheit. Die in Finsternis Verblendeten aber, die es nicht verstehen, bringen dann eine zweifache Wahrnehmung hervor.
Männlich und weiblich sind als wirkliche Dharmas nicht zu finden; alle sind von einer einheitlichen Substanz. Der Himmel wird als Vater genommen und die Erde als Mutter, doch unter dem, was von Himmel und Erde geboren wird, welcher Unterschied besteht da? Der Bodhisattva, der in Gleichheit wandert, sucht nicht nach Männlichem noch Weiblichem. Sie sind wie Illusion und Wandlung; Wurzel und Zweig sind solcherart. Wer Männliches und Weibliches als verschieden sieht, scheidet von der Wurzel und verliert den Sinn der Lehre, bringt Wahrnehmungen und Gedanken hervor, sodass das ganze Netz über ihn kommt.
Wenn die Gier nicht aufsteigt und Wahrnehmung und Gedanke nicht aufgerührt werden, dann ist überhaupt kein Netz da. Man brennt nicht in den Fesseln, und das Netz braucht nicht entwirrt zu werden. Wer die Gier versteht, der weiß, dass „Liebe und Begierde“ vorläufige Namen sind und ohne Befleckung. Wer alle Namen als unbehindert erkennt, der sieht, dass in der Begierde nichts zu erlangen ist. Wer das Wahre erblickt, bis zur Vollendung, der hängt nicht an stiller Übung. Mit gleichem Entschluss gegenüber Innerem und Äußerem ist da kein vorläufiges Sehen.
Wer giert, der weiß, dass er keine Befreiung erlangt. Gier und der Buddhadharma sind gleich, wie das Nirvāṇa. Wer die Gier versteht und sie aufhebt, der scheidet gleichermaßen von Selbst und Ich. Wer die Gier als gestillt erkennt, der übt gleichmütig, ruhig und unbewegt.
Im Innern forschend und auf solche Weise betrachtend, kommen alle Begierden über das Ohr, denn das Ohr steht mit dem Geist in Verbindung, und sie werden empfangen und der Reihe nach weitergegeben. So wild und kühn ist dies, dass niemand ihm widerstehen kann; es gibt nichts, das es nicht unterwirft. Es hat zwei Namen: wenn die Begierde eintritt, ist es der Löwenkönig; wenn die Begierde hervorgeht, ist es Vimalakīrti. Selbst während es aus den drei Bereichen hervorgeht, ist da kein Ort, an den es nicht einträte, und kein Ort, aus dem es nicht hervorginge.
Darum ist der Bodhisattva gleichmütig gegenüber dem Reinen und dem Befleckten. Das Ohr empfängt die fünf Klänge nicht. Er wird zu einem Führer für die Himmel oben und die Welten unten durch die zehn Himmelsrichtungen, errichtet die große Führung und ermüdet niemals.
Wer den Dharma hören will, der soll zuvor essen. Durch die zehn Himmelsrichtungen, innen und außen, im dreitausendfachen großen Tausendweltsystem vermögen selbst die Sonne und der Mond, so hell sie auch sind, die Arten und Zahlen der Wesen und Dinge darin nicht zu erleuchten; und die Menschen, ob sie auch Augen haben, können das Ferne nicht sehen. Das Ohr verweilt an einem Ort stiller Abgeschiedenheit. Ob es auch das Maß von Glanz, Augen, Antlitz und Farbe nicht erblickt, so ist es doch das Erste: die feinen Dinge in den zehn Himmelsrichtungen, oben und unten, innen und außen, kommen zuerst und kehren zum Ohr zurück.
Das Ohr sehnt sich nach nichts und findet an nichts Gefallen. Dies wird die Bezeichnung „unbefleckt“ genannt. Wer alle Dharmas gleichmütig betrachtet, nimmt den Dharma zur Speise. Da das Ohr zuerst hört, hat der, der den Dharma hört, zuerst gegessen. Darum kommt der Bodhisattva nicht zu Hunger noch Durst, sondern nimmt das Nichthören zur Speise, das Nichtsehen zum Trank und wenige Worte zu hundert Geschmäckern. Die Begierde ist rein in der Gleichheit: gleich dem leeren Himmel, leer und ohne Staub, gleich dem Nirvāṇa, ruhig und unbewegt. Allen Ansichten gegenüber betrachtet er sie als Illusion und Wandlung. Dies ist des Bodhisattvas gleichmütige Betrachtung aller Dharmas, und so wandert er durch Gier und Begierde.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊瞋恚也?法無瞋恚
因緣。溥首!恚從對起,無對不起,因倚生對,無
我號我,立無量事。如樹木生,先從萌類,結恨
急毒,聲自然空,無想、無念。如閑居樹,坐自相
揩,火然還燒其樹。因緣雖散,各歸本生,火滅
不現,虛無起身,鹿聲亦然。因欲稱量,二者俱
空,智者解之,不興恚怒。緣從聲起,不處內身,
不從外來,不由空從他緣起,因對而立,各各
分別,種種類數,引勝負者。菩薩等觀則無瞋
恚,如風種過,有恨有慢,若知方便,因想立緣;
穢聲如是,恚因空生,恚還自燒,無有代者。而
色其身,放逸自可,由己惡言,坐自縱恣,不能
自禁,福盡禍至,如然燈生,麻油以盡還燒其
炷,無有救者;瞋恚如是。能分別瞋怒者,竟無
形像,平等察聲聽,瞋怒恨本際等,無本無持,
分別法界則覩平等,意由四懼,攬竟第一瞋
怒,瞋怒橫有所造;意者空無,尋生便滅,而無
究竟。恍惚之間,意不可諮,諮之亂德,剬意無
念,則無貪婬。貪婬之欲,皆從意起。無貪婬者,
瞋怒何從來?意動心起,毒龍因作,便致瞋怒,
口開罪入,如江河投海,如揵燒天地,無形不
盡,案內觀歷,無可瞋恚者。所以者何?十方同
共,等無三塗。等意者,無瞋恚,無瞋恚者,無三
毒,無三毒者,何緣等有病也?其有病者,當毀。
三界眾生從意生形,因瞋怒入此病,不自悔
責,七十五日,七十五夜,日日三自歎責,今在
現世立形,從意所作,犯三界人民,及非飛禽
走獸,射獵魚網,或籠繫飛鳥,傷剜身體,或逝
四支,至今蹇跘,手足不任,加痛於彼,而對歡
喜。愚癡之人不知己,還害己身,旬歲之中身
被重病,如其所害,處所不掖。若起瞋恚毒意,
一作意勇怫欝,或以刀兵,或持弓矢,欲相挌
射,或以鎌斧欲斬人頭首,舉意如是斯為犯
三界眾生已。若有菩薩摩訶薩,身體病痛,小
病大病,一等無異,當知犯三界眾生,隨其痛
處,呼三界眾生名字,深自考責,投身散髮墮
淚,自懺悔三尊。三尊者內有六事,名曰六度
無極治內病,外有三尊,亦有六事,名曰六度
無極治外病。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, dass ein Bodhisattva gleichmütig durch Zorn und Hass wandert? Zorn und Hass haben keine wirklichen Ursachen und Bedingungen.
„Mañjuśrī, Zorn entsteht aus einem entgegenstehenden Objekt. Wo kein entgegenstehendes Objekt ist, entsteht er nicht. In der Abhängigkeit wird das entgegenstehende Objekt hervorgebracht. Wo kein Selbst ist, ruft man ein Selbst aus und errichtet unermessliche Dinge. Es ist wie ein Baum, der aus seinem ersten Keim wächst: der Groll bindet und wird rasch zu Gift, und doch ist der Klang selbst von Natur leer, ohne Wahrnehmung und ohne Gedanken.
„Es ist, wie Bäume an einem einsamen Ort von selbst aneinander reiben, so dass Feuer entfacht wird und auf eben diese Bäume zurückbrennt. Wenn die Ursachen und Bedingungen sich zerstreuen, kehrt ein jedes zu seinem Ursprung zurück; das Feuer erlischt und erscheint nicht mehr. Was entstanden ist, ist leer und unwirklich. Mit dem Ruf des Hirsches verhält es sich ebenso. Durch das Begehren misst und wägt man, und doch sind beide Seiten leer. Die Weisen, die dies verstehen, lassen keinen Zorn aufkommen.
„Die Bedingung entsteht aus dem Klang. Sie wohnt nicht im Körper, sie kommt nicht von außen, sie entsteht nicht aus der Leerheit und nicht aus einer anderen Bedingung. Sie ist durch das entgegenstehende Objekt errichtet, jedes Ding für sich unterschieden, mit Arten und Zahlen aller Art, und zieht jene herein, die um Sieg und Niederlage streiten. Wenn der Bodhisattva gleichmütig betrachtet, ist da kein Zorn.
„Wie der Wind vorüberzieht, so sind da Feindseligkeit und Dünkel; doch wer die geschickten Mittel kennt, erkennt, dass die Bedingung durch die Wahrnehmung errichtet wird. Mit dem befleckten Klang verhält es sich ebenso. Der Zorn entsteht aus der Leerheit, der Zorn verbrennt sich selbst, und keiner ist da, der an seine Stelle träte. Und doch gibt einer dem Körper nach, der Nachlässigkeit überlassen, als sei es sein Recht. Durch die eigenen bösen Worte sitzt er im Sichgehenlassen, unfähig, sich zu zügeln, bis das Verdienst erschöpft ist und das Unheil kommt. Es ist wie eine Lampe, die entzündet wird: ist das Sesamöl verzehrt, so brennt sie auf ihren eigenen Docht zurück, und keiner ist da, der sie rettet. Mit dem Zorn verhält es sich ebenso.
„Wer Zorn und Wut zu unterscheiden vermag, der findet, dass sie am Ende ohne Form und ohne Abbild sind. Betrachtet er Klang und Hören als gleich, so erkennt er, dass die ursprüngliche Grenze von Zorn und Groll dieselbe ist, ohne Wurzel und ohne etwas, das sie trägt. Wer den Dharmadhātu unterscheidet, erblickt die Gleichheit. Der Geist ergreift durch die vier Ängste und bringt zuletzt den vordersten Zorn hervor, und der Zorn erschafft auf blinde Weise. Doch der Geist ist leer und ohne Wesen; kaum entstanden, erlischt er, und es ist da kein Abschluss.
„Im Aufblitzen und Verlöschen eines Augenblicks lässt der Geist sich nicht befragen. Ihn zu befragen, bringt die Tugend in Verwirrung. Wo der Geist gezügelt und ohne Gedanken ist, da ist kein Begehren und keine Lust. Die Wünsche des Begehrens und der Lust entstehen alle aus dem Geist. Für den, der ohne Begehren und Lust ist, woher käme da der Zorn? Wenn die Absicht sich regt und der Geist aufsteigt, handelt darob der giftige Drache, und Zorn wird hervorgebracht. Der Mund öffnet sich, und die Übertretung tritt ein, wie Ströme ins Meer fließen, wie ein Brand Himmel und Erde verzehrt, der keine Form unverzehrt lässt.
„Wer nach innen prüft und dadurch betrachtet, findet nichts, das erzürnt werden könnte. Warum dies? In den zehn Himmelsrichtungen ist alles in gleicher Weise gemeinsam, und gleichermaßen sind da keine drei schlechten Wiedergeburten. Für den, dessen Geist gleichmütig ist, ist kein Zorn. Für den, der ohne Zorn ist, sind keine drei Gifte. Für den, der ohne die drei Gifte ist, aus welcher Bedingung sollte da gleichermaßen Krankheit sein?
„Wer von Krankheit befallen ist, der prüfe und tadle die Ursache. Die Lebewesen der drei Bereiche nehmen ihre Form aus dem Geist, und durch den Zorn tritt man in solche Krankheit ein. Bereut und tadelt man sich nicht selbst durch fünfundsiebzig Tage und fünfundsiebzig Nächte, sich dreimal an jedem Tag tadelnd, so erkennt man, dass die in dieser gegenwärtigen Existenz errichtete Form aus dem Geist gemacht ist.
„Man hat sich an den Menschen der drei Bereiche vergangen und ebenso an den fliegenden Vögeln und laufenden Tieren: hat sie geschossen und gejagt, hat die Fische in Netzen gefangen, hat die Vögel in Käfige gesperrt und gebunden, hat ihre Körper verwundet und zerschnitten oder ihre vier Glieder abgetrennt, so dass sie bis auf den heutigen Tag hinken und straucheln, Hand und Fuß unbrauchbar. Man fügt ihnen Schmerz zu und nimmt stattdessen Freude daran. Der verblendete Mensch, der sich selbst nicht kennt, schädigt im Gegenzug seinen eigenen Körper. Im Lauf eines Jahres wird sein Körper von schwerer Krankheit befallen, und wie er andere geschädigt hat, so gibt ihm seine Stätte keinen Halt.
„Wenn einer den giftigen Geist des Zorns aufkommen lässt, in einem einzigen Akt der Aufmerksamkeit, heftig und aufwallend, oder Schwert und Speer ergreift, oder Bogen und Pfeil hält, um einen anderen zu schlagen und zu schießen, oder mit Sichel oder Axt einem Menschen das Haupt abzutrennen wünscht, so hat er, indem er den Geist auf diese Weise erhebt, sich bereits an den Lebewesen der drei Bereiche vergangen.
„Wenn da ein Bodhisattva-Mahāsattva ist, dessen Körper von Krankheit und Schmerz befallen ist, ob kleine Krankheit oder große Krankheit, beide sind ein und dasselbe, ohne Unterschied. Er soll erkennen, dass er sich an den Lebewesen der drei Bereiche vergangen hat. Gemäß der Stätte seines Schmerzes soll er die Namen der Lebewesen der drei Bereiche anrufen, sich tief prüfen und tadeln, seinen Körper niederwerfen, sein Haar lösen, Tränen vergießen und in Reue gegenüber den drei Verehrten bekennen.
„Was die drei Verehrten betrifft, so sind innen sechs Dinge, die die sechs Pāramitās genannt werden und die innere Krankheit heilen. Außen sind die drei Verehrten, die ebenso sechs Dinge haben, die die sechs Pāramitās genannt werden und die äußere Krankheit heilen.“
溥首復問:「何等為三尊內六事
也?」答曰:「內三尊者,第一、心尊,於內三界安慰
眾生,開示大明,悉令安隱,名曰無上正真之
信,亦號如來等正覺。第二、耳尊,常居寂靜之
地而無縛飾,飛行周旋,往返十方。天上天下
窈冥之處悉到其中,無所不聞,無所不知,而
無言說,澹泊無為,惟往來周旋,以情歸心,一
一告說:初、無異言,名無垢稱;二、名普持律;三、
名廣開度;四、名大忍辱;五、名諸佛信;六、名如
來心;七、名淨復淨;八、名不動轉;九、名無所不
樂;十、名惟那離大城,無所不容受。如是十德
之行,與如來同軀。第三、眼尊,常居色欲之地,
不自貢高,將導一切非飛行,十方內外明了,
無有見者,亦有十德之行:一、名曰文殊師利;
二、名無所不入;三、名淨穢悉除;四、名常清淨;
五、名日月精;六、名開導一切非;七、名無能沾
污者;八、名將導十方人;九、名諸漏已盡,無有
眾穢;十、名如來信將護一切。是為內三尊,常
行大慈大悲,憂念生死苦。當知三界中群萌
之類而不可毀。毀者為毀三尊已,復有三尊。
常當歸命、懺悔、慚愧。何謂三尊?第一、意淨名
波旬。第二、欲淨名師子王。第三、色淨名金翅
鳥。」
Mañjuśrī fragte abermals:
„Was sind die sechs Dinge innerhalb der inneren drei Verehrten?“
Der Buddha antwortete:
„Was die inneren drei Verehrten betrifft, so ist der erste der Verehrte des Geistes. Innerhalb der inneren drei Bereiche tröstet er die Lebewesen, öffnet und enthüllt den großen Glanz und lässt alle friedvoll und geborgen werden. Er heißt das unübertroffene, wahre und rechte Vertrauen, und er wird auch der Tathāgata genannt, der vollkommen und recht Erwachte.
Der zweite ist der Verehrte des Ohres. Beständig weilt er an dem Ort der Stille, ohne Fesseln und ohne Schmuck. Er bewegt sich und zieht frei umher, geht aus und kehrt zurück durch die zehn Himmelsrichtungen. Er gelangt an alle Orte, über den Himmeln und unter ihnen, in das Verborgene und das Finstere; nichts gibt es, das er nicht hört, und nichts, das er nicht weiß, und doch tut er keine Äußerung. Still und unbedingt kommt er nur, geht und zieht umher, bringt sein Verstehen zum Geist zurück und verkündet einem jeden, zuerst, ohne widersprechende Rede.
Er heißt, erstens, der Makellos Berühmte; zweitens, der die Disziplin allumfassend Hütende; drittens, der den Weg der Befreiung weit Öffnende; viertens, die große Geduld; fünftens, das Vertrauen aller Buddhas; sechstens, der Geist des Tathāgata; siebtens, das Reine über das Reine hinaus; achtens, der Unbewegte und Ungewendete; neuntens, der an nichts Freude Findende; zehntens, die große Stadt Vaiśālī, die alle Dinge aufnimmt und in sich birgt. Diese zehn Tugendwerke sind eines Leibes mit dem Tathāgata.
Der dritte ist der Verehrte des Auges. Beständig weilt er in dem Grunde von Form und Begehren, und doch erhebt er sich nicht selbst. Er führt und leitet alle, ohne durch die Luft zu reisen. Er ist klar und leuchtend innen und außen durch die zehn Himmelsrichtungen, und doch gibt es keinen, der ihn sieht. Auch er hat zehn Tugendwerke.
Erstens heißt er Mañjuśrī; zweitens, der, in den es keinen Ort gibt, in den er nicht einginge; drittens, der alle Reinheit und Befleckung Entfernende; viertens, der immerdar Reine; fünftens, das Wesen von Sonne und Mond; sechstens, der alles, was nicht recht ist, Öffnende und Leitende; siebtens, der, den nichts beflecken kann; achtens, der die Menschen der zehn Himmelsrichtungen Führende und Leitende; neuntens, der, dessen Ausflüsse erschöpft sind, in dem keine Befleckung ist; zehntens, das Tathāgata-Vertrauen, das alle führt und beschützt.
Dies sind die inneren drei Verehrten. Beständig üben sie große Güte und großes Mitgefühl und tragen Kummer um das Leiden von Geburt und Tod. Darum wisse: Die Menge der Lebewesen innerhalb der drei Bereiche darf nicht verletzt werden. Sie zu verletzen heißt, schon die drei Verehrten zu verletzen.
Es gibt auch drei Verehrte, denen man beständig sein Leben anvertrauen, vor denen man in Reue bekennen und vor denen man Scham und Gewissensscheu empfinden soll. Was sind diese drei Verehrten? Der erste ist der geläuterte Geist, genannt Pāpīyān. Der zweite ist das geläuterte Begehren, genannt der Löwenkönig. Der dritte ist die geläuterte Form, genannt der goldgeflügelte Vogel.“
又問曰:「如是三尊,為應何謂法也?」
Wiederum fragte er: "Diese drei Verehrten, welchem Dharma entsprechen sie nun?"
答曰:「意
斷者無瞋怒,眾魔皆降伏。意為身神,名曰波
旬,晉言眾想心隨護為善者。師子王者耳神,
耳不受眾塵埃,於三界獨忍一切諸想,不與校
會,故名曰師子王,晉言一切無畏,常為十方
為導,當作佛者,為作座席而不患厭。金翅鳥
者眼神也,眼入眾色,色則斷。飛行十方莫能
知者,降伏諸魔,踐踏眾龍,龍神欲反興瞋怒
意,金翅鳥在海上影現水中,諸龍恐怖不敢
出外,波旬興龍欲有所受,眼陰以斷,金翅鳥
在上,常以百千種色懼如金光,不能等於明
月之精,明月之精不能當金翅鳥之毛,是使
金翅鳥於三界獨尊雄。其有為導當作佛者,
我皆當在上,以身金毛照之,使令身皆黃金
色,一切相見之,莫不歡喜。」
Er antwortete: „Ist der Gedanke abgeschnitten, so ist da kein Hass, und alle Māras werden unterworfen. Der Geist ist der Körpergeist, mit Namen Pāpīyān, was in der Sprache der Jin bedeutet: ‚die Menge der Vorstellungen, der Geist, der folgt und behütet, um Heilsames zu wirken‘. Der Löwenkönig ist der Ohrgeist. Das Ohr nimmt die Menge der Stäube nicht auf; allein in den drei Bereichen erträgt es alle Vorstellungen und verbindet sich nicht mit ihnen. Darum heißt es Löwenkönig, was in der Sprache der Jin bedeutet: ‚furchtlos in allen Dingen‘. Es ist immerfort ein Führer für die zehn Himmelsrichtungen, und denen, die Buddhas werden sollen, macht es sich zum Sitz, ohne Bedrängnis und ohne Überdruss.
Der Suparṇa, der goldgeflügelte Vogel, ist der Augengeist. Das Auge tritt in alle Formen ein, und doch sind die Formen daraufhin abgeschnitten. Es reist durch die zehn Himmelsrichtungen, wo keiner es kennen kann, es unterwirft die Māras und zertritt die Nāgas. Wenn die Drachengeister sich wider es wenden und einen Geist des Hasses erregen wollen, so wirft der Suparṇa über dem Meer sein Spiegelbild ins Wasser, und die Nāgas, von Furcht ergriffen, wagen nicht hervorzukommen. Wenn Pāpīyān die Nāgas aufstachelt und nach etwas greifen will, so ist das Augen-Skandha abgeschnitten.
Der Suparṇa ist oben. Er ist immerfort geschmückt mit hunderttausend Arten von Farben, ehrfurchtgebietend wie goldenes Licht, so dass der Glanz des hellen Mondes ihm nicht gleichkommt und der Glanz des hellen Mondes nicht einer einzigen Feder des Suparṇa standhält. So ist der Suparṇa allein der Verehrte und Held unter den drei Bereichen. Denen, die Führer sind und Buddhas werden sollen, werde ich stets über ihnen sein, und mit dem goldenen Gefieder meines Leibes werde ich sie anstrahlen, so dass ihre Leiber ganz von der Farbe des gelben Goldes werden, und alle, die ihre Merkmale erblicken, freuen sich ausnahmslos.“
佛言:「是三尊六人
者,是內事六度無極。是以菩薩行六度,不壞
色無常視。痛痒思想生死痛痒思想生死識
者,則無六度無極。若菩薩摩訶薩身軀不安
隱者,當知與內六度無極違錯,不順其教。當
思上頭所語滓自綶形,勿以自可用剛強之
性,自言無罪。若不詪詪至心懺悔者,殺身不
久,此事非良醫所能治也。」
Der Buddha sprach:
„Diese drei Verehrten und sechs Personen sind die innere Übung der sechs Pāramitās. Übt darum ein Bodhisattva die sechs Pāramitās, so zerstört er nicht die Betrachtung der Form als vergänglich. Zerstörte er die Empfindung, die Wahrnehmung, die Gestaltungen und das Bewusstsein, so gäbe es keine sechs Pāramitās mehr.
Ist der Körper eines Bodhisattva-Mahāsattva nicht friedvoll und geborgen, so soll er wissen, dass er sich gegen die inneren sechs Pāramitās vergangen und ihrer Lehre nicht gefolgt ist. Er bedenke, was zuvor gesagt wurde über die befleckenden Rückstände, die den Körper fesseln, und verlasse sich nicht auf seine eigene harte und verstockte Natur und spreche nicht von sich, er sei ohne Schuld.
Bereut er nicht von ganzem Herzen und aufrichtig, so wird der Tod des Körpers nicht lange auf sich warten lassen. Dies ist nichts, was ein guter Arzt zu heilen vermöchte.“
溥首復問佛言:「何
謂外三尊六事也?」
Mañjuśrī wandte sich erneut an den Buddha und fragte: »Was sind die äußeren drei Verehrten und die sechs Dinge?«
答曰:「第一、佛尊。第二、法尊。
第三、比丘僧尊。是復有三尊。何等為三?第一、
淨尊。第二、色尊。第三、欲尊。」
Der Buddha antwortete:
„Erstens der Buddha als der Verehrte. Zweitens der Dharma als der Verehrte. Drittens der Bhikṣu-Saṅgha als der Verehrte.
„Diese haben wiederum drei Verehrte. Welches sind die drei? Erstens die Läuterung als die Verehrte. Zweitens die Form als die Verehrte. Drittens das Begehren als das Verehrte.“
溥首復問曰:「此三
尊,皆何應也?」
Mañjuśrī fragte weiter:
„Diese drei Erhabenen, womit entspricht ein jeder von ihnen?“
佛言:「捨欲布施,身得其福,是為
施度無極。二曰、捨色持戒,身得清淨,是為戒
度無極。三曰、捨諸塵勞,行大忍辱而離眾想,
得清淨慧,是為忍度無極。四曰、知比丘僧清
淨,捨諸因起滅因緣之事而建精進,得至道
場,住清淨地,是為進度無極。五曰、知法清
淨捨諸邪念者,想之緣而定一心,身得安
隱知去來今,是為禪度無極。六曰、知佛清
淨,悉捨諸著,適無所住,深入要法,空無想
念,泥洹之事一切本無,是為智度無極。」
Der Buddha sprach:
„Wer das Begehren aufgibt, übt die Freigebigkeit, und so erlangt er ihr Verdienst. Dies ist die Pāramitā der Freigebigkeit.
Zweitens: Wer die Sinnlichkeit aufgibt, wahrt die Gelübde, und so erlangt er Reinheit. Dies ist die Pāramitā der Sittlichkeit.
Drittens: Wer alle Befleckungen aufgibt, übt die große Geduld und lässt alle Wahrnehmungen hinter sich, und so gewinnt er reine Weisheit. Dies ist die Pāramitā der Geduld.
Viertens: Wer die Reinheit des Bhikṣu-Saṅgha erkennt, lässt von der Verhaftung an die Dinge des Entstehens und Vergehens durch Ursachen und Bedingungen ab und errichtet das tatkräftige Bemühen. So gelangt er zur Stätte des Erwachens und verweilt auf dem reinen Grund. Dies ist die Pāramitā des tatkräftigen Bemühens.
Fünftens: Wer die Reinheit des Dharma erkennt, wirft alle verkehrten Gedanken ab, die der Boden der Wahrnehmung sind, und sammelt den Geist auf einen Punkt. So erlangt er Stille und kennt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dies ist die Pāramitā der meditativen Sammlung.
Sechstens: Wer die Reinheit des Buddha erkennt, gibt alles Anhaften auf, verweilt nirgends, dringt tief in den wesentlichen Dharma ein und ist leer und ohne Wahrnehmung. Die Sache des Nirvāṇa ist von Anbeginn unentstanden. Dies ist die Vollkommenheit der Weisheit.“
佛言:
「是為外六度無極也!如是內外法十二事解
者,便為開十二門。雖解由不制,因對起想,遊
於恣意不能忍辱,放心口意,瞋恚惡言,便
為十二因緣,隨俗三流,不離五趣。菩薩大
士等,於內外亦無所譏,一切無礙,如水月形,
平等察聲無瞋怒音,恨本際等,無本無際,分
別法界,則覩平等。是菩薩等遊瞋恚為意法
也!」
Der Buddha sprach:
„Dies sind die äußeren sechs Pāramitās. Werden die zwölf Dinge der inneren und äußeren Dharmas auf diese Weise verstanden, so öffnen sich die zwölf Tore.
Doch wer versteht und sich gleichwohl nicht zügelt, in dem entsteht die Wahrnehmung in Abhängigkeit von einem entgegenstehenden Gegenstand. Im Schweifen der zügellosen Eigensucht, ohne in der Geduld zu verweilen, gibt er Geist, Mund und Sinnen freien Lauf und spricht zornige und schädliche Worte. Ein solcher wird zum zwölfgliedrigen bedingten Entstehen, folgt den drei Strömungen der Welt und entrinnt nicht den fünf Daseinsbereichen.
Der Bodhisattva, der Mahāsattva aber findet im Inneren wie im Äußeren nichts zu tadeln. In allen Dingen ist er ungehindert, gleich der Gestalt des Mondes im Wasser. Den Klang in Gleichheit erkundend, hört er keinen zornigen Laut. Wird der Groll bis zu seiner Grenze der Wirklichkeit zurückverfolgt, so zeigt er sich als gleich, ohne Wurzel und ohne Grenze. Den Dharmadhātu unterscheidend, erblickt er die Gleichheit.
Dies ist der Bodhisattva, der den Zorn als einen Bereich des Geistes durchwandert.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊愚癡也?愚從無起,
察癡無有;設無所有,愚癡本無,永無狂冥,人
無弊願,無礙如空,為虛澹泊。想礙求空,方面
造愚,立虛為實,而起忿恨,愚癡所行,求名達
字,行清白名,欣欣難獲。諸法無明,因想為塵,
想為礙,慚虛無形,譬如丈夫欲度虛空,亦無
羽翅,行不合道,不入於空,億劫不得也!能會
不能,知空本末,愚癡亦如是。本際無思議,蔽
冥不生,塵無所志而成滿,如住於虛空不知
方面處,亦無具足人,無能出度者。如百千億
劫姟習樂闇蔽者,彼亦無厭足,常飢無飽滿。
如僮子者,好色如吹胞,滿中氣短,解脫口中
無所有,罪福如空胞,求勝真高亦然,卑忑清
淨亦然,習於愚者,求不可得。空來空去,懷抱
罪欲,喜亦行惡亦不捨,見善不習,專入倒見,
如是行者,謂愚無底也!斷根、無根形,無根無
住,故不可盡。設愚不可盡,癡亦不可得,猶如
眾生如幻如化,斯不可賜。設有造喻,三界眾
生類,日度一切,令得泥洹。佛壽住世,億劫難
計,濟脫梨度人不可盡。因遇立種,人界無想,
癡冥如幻,是不可得;佛淨與愚癡等,觀斯無
二。設能等觀,則能念道,癡慧一等,無諸蔽礙,
眾生群萌,等無思議,癡不可計,思念意迹,其
心無,無有邊際,愚冥無限,由不可得。空著無
名,因倚有形,無有見者,永不可持。志性無明,
了無所有,何從致起,而有瞋恚也?計無吾我,
癡已不起,闇冥何類?如癡無處,佛道亦爾,了
無崖底,諸法無二,別聲平等,等察癡響,了雲
一等,愚冥如雲,分別平等,則曉定意。是為菩
薩等遊愚癡。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva sich gleichmütig durch die Verblendung bewegt? Die Verblendung hat keine Quelle, aus der sie entstünde. Prüft man sie, so findet sich nichts Wirkliches in ihr. Da sich nichts Wirkliches findet, ist die Verblendung von Anbeginn ohne Ursprung. Es gibt keinen dauernden Wahnsinn, keine bleibende Finsternis; im Menschen ist kein beflecktes Streben. Unbehindert wie der Himmel, ist sie leer und still.
„Wer von der vorstellenden Wahrnehmung behindert wird, sucht die Leerheit auf falsche Weise. So wird die Verblendung erdichtet: das Leere wird für wirklich genommen, und Zorn und Feindseligkeit erheben sich. So verläuft die Verblendung: sie jagt den Namen nach und greift nach den Worten, sie trachtet allein nach dem Namen der Reinheit und Lauterkeit und sehnt sich wieder und wieder nach dem, was schwer zu erlangen ist.
„Die Dharmas selbst sind ohne Licht. Durch die vorstellende Wahrnehmung bildet sich der Staub der Befleckung; die vorstellende Wahrnehmung selbst wird zum Hindernis. Was unsubstantiell ist, hat keine Gestalt. Es ist wie ein Mann, der den Luftraum durchqueren will und keine Flügel hat: sein Lauf stimmt nicht mit dem Pfad überein, er tritt nicht in die Leerheit ein, und wenn auch Koṭis von Kalpas vergehen, erreicht er sie nicht. Zu begreifen, daß dies nicht zu erreichen ist, und die Leerheit von Anfang bis Ende zu kennen, heißt zu erkennen, daß es mit der Verblendung ebenso steht.
„Sucht man die Grenze der Wirklichkeit der Verblendung, so läßt sich kein denkbarer Anfang finden. Die Finsternis, die den Geist zu bedecken scheint, entsteht in Wahrheit nicht. Der Staub der Befleckung hat keinen festen Grund, und doch stellt der verblendete Geist ihn sich als vollständig vor. Es ist wie einer, der im Luftraum weilt und weder Richtung noch Ort zu finden vermag. Dort ist kein in sich vollständiger Mensch und kein aus sich seiender, der hinüberginge.
„Wer sich über hunderttausend Koṭis von Nayutas von Kalpas hinweg daran gewöhnt hat, sich an Finsternis und Verdunkelung zu erfreuen, wird niemals satt, ist stets hungrig und nie gesättigt. Wie ein Kind, das nach Formen verlangt, gleicht er einer aufgeblasenen Blase: innen vom Hauch gefüllt, der bald vergeht; löst sich die Öffnung, so bleibt nichts darin. Vergehen und Verdienst sind wie eine leere Blase. So auch das, was als siegreich, wahr und erhaben gesucht wird, und das, was als niedrig, verstört und rein gilt. Wer der Verblendung gewohnt ist, dem ist das Gesuchte unerlangbar.
„Leer kommt es, leer geht es. Vergehen und Begehren umfangend, am Bösen sich erfreuend, läßt er es nicht los; das Heilsame erblickend, übt er es nicht, sondern tritt ganz in die verkehrten Ansichten ein. Wer sich so verhält, von dem heißt es, seine Verblendung sei ohne Grund.
„Ist die Wurzel abgeschnitten, so bleibt keine wurzelhafte Gestalt. Wurzellos und ohne Bleibe, kann die Verblendung nicht erschöpft werden. Doch eben weil sie nicht erschöpft werden kann, kann die Verblendung auch nicht erlangt werden. Wie die Lebewesen selbst, so ist sie wie eine Illusion, wie eine magische Erscheinung; sie kann nicht dargebracht werden.
„Will man ein Gleichnis geben: würden auch alle Wesen in den drei Bereichen Tag um Tag hinübergeführt und zum Nirvāṇa gebracht, und bliebe auch der Buddha für Koṭis von Kalpas jenseits aller Berechnung in der Welt, die Wesen rettend, befreiend und ohne Ende hinüberfahrend, so werden doch im Zusammentreffen der Bedingungen Samen gelegt. Im Bereich der Menschen hat die vorstellende Wahrnehmung keinen wirklichen Grund. Die Finsternis der Verblendung ist wie eine Illusion und kann nicht erlangt werden.
„Die Reinheit des Buddha und die Verblendung sind gleich; so gesehen, gibt es keine zwei. Wer sie gleich zu betrachten vermag, der kann des Pfades achtsam sein. Verblendung und Weisheit sind von einer Gleichheit, ohne jede Bedeckung und ohne Hindernis. Die Lebewesen, die zahllosen Scharen, sind gleich und über alles Denken hinaus. Die Verblendung läßt sich nicht berechnen.
„Die Spuren des Denkens und Wollens haben keinen festen Geist, der sich finden ließe; sie sind ohne Grenze und ohne Schranke. Die Finsternis der Verblendung ist unbegrenzt und kann daher nicht erlangt werden. Die Leerheit haftet an keinem Namen; im Anlehnen an die Bedingungen wird die Gestalt errichtet. Doch kein Sehender läßt sich finden, und niemals kann sie ergriffen werden.
„Der Entschluß und seine Natur sind ohne Licht; klar erkannt, sind sie nichts dergleichen. Woher also sollte der Zorn entstehen? Hat man erst eingesehen, daß es kein Selbst gibt, so entsteht die Verblendung nicht mehr. Welcher Art ist dann die Finsternis?
„Wie die Verblendung keinen festen Ort hat, so ist es auch mit dem Pfad des Buddha. Ist dies erkannt, so gibt es kein Ufer und keinen Grund. Alle Dharmas sind ohne Zweiheit. Die einzelnen Klänge sind gleich; auch das Echo der Verblendung wird gleich betrachtet. Die Wolken werden als eine Gleichheit erkannt, und die Finsternis der Verblendung ist wie eine Wolke. Wer auf diese Weise die Gleichheit unterscheidet, der erwacht zur meditativen Sammlung.
„Dies ist es, was es heißt, daß ein Bodhisattva sich gleichmütig durch die Verblendung bewegt.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊不善?欲行無形,瞋
行無處,不行癡行,知眾平等,諸塵亦等,諸生
滅悉等,等解虛無,空無所有,了淨如是。是菩
薩等遊不善也。」
Und weiter sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva das Unheilsame mit gleichem Blick durchschreitet? Das Wirken des Begehrens hat keine Gestalt; das Wirken des Hasses hat keinen Ort; das Wirken der Verblendung wird nicht vollzogen. Er erkennt, daß die Wesen gleich sind, daß auch die Sinnesobjekte gleich sind, und daß alles Entstehen und Vergehen gleich ist. Indem er sie auf gleiche Weise als leer versteht, als leer und ohne irgend ein Eigenes, versteht er auf diese Weise die Reinheit.
„Dies heißt es, daß ein Bodhisattva das Unheilsame mit gleichem Blick durchschreitet.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊諸善德本?眾生修
善,心行若干,諸行一等,無不等行,一行而行,
無礙現行,了行無二,則能平等。以知平等,眾
行如幻,色聲一等,則了語音;語音無二,由如
影響,往來周旋,亦無處所,德本亦然如幻化。
是為菩薩等遊眾善德本。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva in Gleichheit durch die heilsamen Wurzeln aller Tugend wandert? Die Lebewesen üben das Heilsame, und ihre geistigen Übungen sind vielfältig; dennoch sind alle Übungen von einer Gleichheit, und keine Übung gibt es, die nicht gleich wäre.
„Indem er als eine einzige Übung übt, läßt der Bodhisattva die Übung ungehindert hervortreten. Indem er die Übung als nichtzwei erkennt, vermag er die Gleichheit.
„Da er die Gleichheit kennt, sieht er, daß alle Übungen wie eine Illusion sind. Das Sichtbare und das Hörbare sind von einer Gleichheit, und so erkennt er Worte und Klang. Worte und Klang sind nichtzwei, gleich einem Schatten und einem Echo, das kommt und geht und sich im Kreise wendet und doch keinen festen Ort hat. Und so sind auch die heilsamen Wurzeln: wie eine Illusion und ein trügerisches Werk.
„Dies heißt es, daß ein Bodhisattva in Gleichheit durch die heilsamen Wurzeln aller Tugend wandert.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊有為也?所有無有,
一切從念。念者空念,計不可量,無量難計,無
邊無際,所起為想。想從念緣,是之數亦不可
盡。曉平等者,了無央數,無行無像,解說等寂,
覩一切安,已安已榮,不計無常。是為菩薩等
遊有為。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva sich gleichmütig durch das Bedingte bewegt? Alles, was ist, ist ohne Existenz; alles entsteht aus dem Denken. Das Denken ist leeres Denken, gerechnet als unermeßlich, unermeßlich und schwer zu zählen, ohne Rand und ohne Grenze. Was aus ihm entsteht, ist die Wahrnehmung. Die Wahrnehmung entsteht durch die Bedingung des Denkens, und auch ihre Zahl läßt sich nicht erschöpfen.
„Wer die Gleichheit klar versteht, der erkennt sie als unzählig, ohne formende Tätigkeit und ohne Abbild, und legt sie als gleicherweise still dar. Da er alle Dinge im Frieden sieht, bereits im Frieden und bereits vollendet, rechnet er sie nicht mehr nach der Vergänglichkeit.
„Dies heißt es, daß ein Bodhisattva sich gleichmütig durch das Bedingte bewegt.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊無為?本淨法寂,亦
無合會,無明之形,假聲等察,音聲無言、無教,
皆了無為,眾著言聲,等觀如是。是為菩薩等
遊無為。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was heißt es, daß ein Bodhisattva gleichermaßen durch das Unbedingte wandert? Die Dharmas sind von Ursprung an rein und still, und es gibt kein Zusammentreffen, kein wirkliches Sichvereinen. Die Gestalt der Unwissenheit und das, was nur vorläufig als Klang gilt, werden gleichermaßen erkundet. Klang und Stimme sind ohne Wort und ohne Lehre; alles wird als unbedingt erkannt. Die Wesen haften an Wort und Klang, doch der Bodhisattva betrachtet sie gleichermaßen, so wie sie sind.
„Das heißt es, daß ein Bodhisattva gleichermaßen durch das Unbedingte wandert.“
又告溥首:「何謂菩薩等遊平等?處有為中,不
住有為,諸行平等,如空無礙,不住三界,三界
本無,何求泥洹?泥洹寂靜,不出不入,無言無
說,乃至大安,度脫眾生,解無若干。法身如空,
不合不散,亦無往來,亦無還返,如空寂寞,是
為菩薩等遊於平等。」
Wiederum sprach der Buddha zu Mañjuśrī:
„Was bedeutet es, daß ein Bodhisattva gleichermaßen durch die Gleichheit wandert? Er weilt inmitten des Bedingten und verweilt doch nicht im Bedingten. Alle Geistesformationen sind gleich, dem Raum gleich, ungehindert. Er verweilt nicht in den drei Bereichen, denn die drei Bereiche sind von Anbeginn leer. Warum also das Nirvāṇa suchen?
„Das Nirvāṇa ist von Stille erfüllt, es geht nicht hinaus und tritt nicht ein, es ist ohne Wort und ohne Rede, und reicht bis zum großen Frieden. Er erlöst die Lebewesen und versteht doch, daß keine Vielheit ist.
„Der Dharmakāya ist dem Raum gleich: er vereint sich nicht und zerstreut sich nicht, er kommt nicht und geht nicht, er kehrt nicht zurück und wendet sich nicht ab, still und schweigend wie der Raum.
„Dies ist es, was es bedeutet, daß ein Bodhisattva gleichermaßen durch die Gleichheit wandert.“
於是世尊,說斯章句,至
未曾有,順如應行,不可思議,世之希有。時有
萬二千菩薩皆得不起法忍,七十二億百千
天人皆發無上正真道意,二百六十萬比丘
漏盡意解,有六千比丘尼皆發無上正真道
意,有二千二百清信士、千八百清信女,亦皆
發無上正真道意。
Als der Welterhabene diese gefügten Verse der Lehre gesprochen hatte, da waren sie noch nie Dagewesenes, sie stimmten überein mit der Soheit und mit dem, was geübt werden soll, sie waren unvorstellbar und in der Welt selten.
Zu jener Zeit erlangten zwölftausend Bodhisattvas allesamt die Bereitschaft, das Nichtentstehen der Dharmas anzunehmen. Devas und Menschen ohne Zahl brachten allesamt den Vorsatz hervor, die unübertreffliche, rechte und wahre Erleuchtung zu erlangen. Zwei Millionen sechshunderttausend Bhikṣus versiegten die Befleckungen und erlangten die Befreiung des Geistes. Sechstausend Bhikṣuṇīs brachten allesamt den Vorsatz hervor, die unübertreffliche, rechte und wahre Erleuchtung zu erlangen. Und zweitausendzweihundert Upāsakas und eintausendachthundert Upāsikās brachten gleichfalls allesamt den Vorsatz hervor, die unübertreffliche, rechte und wahre Erleuchtung zu erlangen.
爾時溥首僮真,復白世尊曰:「唯願大聖!演是
三昧號,菩薩由斯,而致至德,諸根明了,聞
三昧所因名號,則當獲得一切法明,靡不通
達,而悉降伏一切迷惑邪見之眾,樂一文字,
分別曉了一切諸文,以一切文而了一文,辯
才之慧不可限量,為諸群生講說經法,分別
曉了,緣應法忍,以一切行入于一相,逮得無
量無限之議,曉了識議,四分別辯。」
Zu jener Zeit wandte sich Mañjuśrī der Jüngling abermals an den Welterhabenen und sprach:
„Dies allein erbitte ich vom großen Vollendeten: Lege den Namen dieses Samādhi dar. Durch ihn gelangt der Bodhisattva zur höchsten Tugend, und alle seine Sinnesvermögen werden klar und erleuchtet. Wenn er den Namen dieses Samādhi hört und die Ursache, aus der er benannt ist, so wird er die Erleuchtung aller Dharmas erlangen, alle Dinge ungehindert durchdringen und alle Scharen, die der Verwirrung und der falschen Ansicht verfallen sind, unterwerfen.
An einem einzigen Buchstaben sich erfreuend, unterscheidet er alle Buchstaben und durchschaut sie; und mittels aller Buchstaben durchschaut er den einen Buchstaben. Die Weisheit seiner Beredsamkeit ist ohne Maß.
Für die Schar der Lebewesen legt er die Lehren des Dharma dar und durchschaut sie unterscheidend. Er erlangt die durch den Dharma erlangte kṣānti, die sich nach den Bedingungen richtet, und lässt alle Übungen in ein einziges Merkmal eingehen. Er erlangt die Rede, die maßlos und ohne Grenze ist, durchschaut das unterscheidende Erkennen und die vier zergliedernden Beredsamkeiten.“
於是世尊,
告溥首僮真:「諦聽!善思念之!今當為仁分別
本末。」
Da sprach der Welterhabene zu Mañjuśrī, dem Knaben: „Höre aufmerksam zu und nimm es wohl zu Herzen. Jetzt will ich es dir von der Wurzel bis zum Zweig vollständig darlegen.“
溥首答曰:「甚善!願樂欲聞。」
Mañjuśrī antwortete: „Sehr gut. Ich höre mit Freuden.“
佛言:「有三昧
名離無量垢,假使菩薩逮得斯定,普見一切
諸色清淨。」
Der Buddha sprach:
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Frei von unermesslicher Befleckung. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so nimmt er alle Formen allumfassend als rein wahr.“
佛告溥首:「有三昧名壞若干,假使
菩薩逮得斯定,智慧光明覆蔽一切日月之
明。有三昧名成具光明,假使菩薩逮得斯定,
威曜覆蔽帝釋、梵王,三界之寶悉蒙安隱,諸
天光曜忽不復現。有三昧名捨界,假使菩薩
逮得斯定,處於眾會,蠲除一切婬怒癡病。有
三昧名莫能當,假使菩薩逮得斯定,照明一
切八方上下諸佛國土。有三昧名諸法無所
生,假使菩薩逮得斯定,總攬諸佛經典訓
誨一切,為眾會分別要義,敷演微妙無着之
業。有三昧名無念雷音,假使菩薩逮得斯定,
言語音聲暢于梵天,十方所演無能過者,窈
冥蔽礙,無不聞者。有三昧名曉了一切應心所
樂,假使菩薩逮得斯定,悅可眾生,隨其所樂
而令解脫拘礙之緣,一切眾會普得安隱。有
三昧名無會現悅精進,假使菩薩逮得斯定,
覩見無為,無有限數終始之惑,所聞所見莫
不通達,一切所入莫能過也。有三昧名無念
寶德樂於世界,假使菩薩逮得斯定者,放諸
神足施化眾生。有三昧名諸音緣會,假使菩
薩逮斯定者,覺諸言音,以無數字了一文字,
以一文字說無數字,以了內字、外字,悲了於
內不達,外亦不了,內外相應,無有異文。有三
昧名積眾善德,假使菩薩逮斯定者,分別罪
福,興顯平等,多所悅可一切眾生,使聞佛音
法音,眾聲聞音,緣覺音,菩薩音,度無極音,
一切智音;彼有所說,亦無音聲,一切了知深
要之業。有三昧名起諸總持為一切王,假使
菩薩逮得斯定者,分別一切,無量總持,眾慧
之要,無礙之法悉令明了。有三昧名淨諸辯
才無為之行,假使菩薩逮斯定者,寂除一切
音聲言說,皆無言教,亦無響應,無言無教,亦
無所有。」
Der Buddha sprach zu Mañjuśrī:
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Zerstören des Mannigfaltigen. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so überstrahlt der Glanz seiner Weisheit allen Lichtglanz von Sonne und Mond.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Vollendung des Lichtglanzes. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so überstrahlt sein erhabener Glanz Śakra und König Brahmā; alle Schätze der drei Bereiche werden friedvoll und sicher, und der Glanz der Devas erscheint plötzlich nicht mehr.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Aufgeben des Bereichs. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so vertreibt er, mitten in der Versammlung weilend, jede Krankheit der Gier, des Hasses und der Verblendung.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Dem nichts widerstehen kann. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so erleuchtet er alle Buddha-Länder in den acht Himmelsrichtungen, oben und unten.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Das Nichtentstehen aller Dharmas. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so erfasst er vollständig die Sūtra-Lehren aller Buddhas, unterweist alle Lebewesen, legt der Versammlung den wesentlichen Sinn in seinen Unterscheidungen dar und entfaltet das subtile und wunderbare Wirken der Nicht-Anhaftung.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Donnerstimme frei vom Vorstellen. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so reicht der Klang seiner Rede empor bis zur Brahmā-Welt, und nichts, was in den zehn Himmelsrichtungen verkündet wird, vermag ihn zu übertreffen; durch alles, was tief, finster, verhüllt und verschlossen ist, gibt es keinen, der ihn nicht hörte.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Erkennen von allem nach dem, woran der Geist sich erfreut. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so erfreut er die Lebewesen und befreit sie, einem jeden nach dem, woran er sich erfreut, von den Bindungen, die fesseln und hemmen, so dass die ganze Versammlung überall Frieden und Sicherheit erlangt.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Offenbaren von Freude und tatkräftigem Bemühen jenseits des Versammelns. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so erblickt er das Unbedingte, frei von der Verblendung über Grenze und Zahl, über Anfang und Ende. Was immer er hört und was immer er sieht, durchdringt er gänzlich; und in alles, worein er eintritt, vermag ihm keiner voraus zu sein.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Juwelentugend frei vom Vorstellen, sich an der Welt erfreuend. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so entsendet er seine geistigen Kräfte und unterweist die Lebewesen durch verwandelnde Erscheinungen.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Das Zusammentreffen aller Klänge. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so erwacht er zu allen gesprochenen Lauten. Mittels zahlloser Silben erfasst er eine einzige Silbe, und mittels einer einzigen Silbe legt er zahllose Silben dar. Er erfasst die inneren Silben und die äußeren Silben; wo das Innere nicht durchdrungen wird, da wird auch das Äußere nicht erfasst. Für ihn aber entsprechen sich Inneres und Äußeres, und es gibt keine abweichende Schrift.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Anhäufen der mannigfaltigen Wurzeln heilsamer Tugend. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so unterscheidet er Übertretung und Verdienst, bringt die Gleichheit hervor und offenbart sie und erfreut alle Lebewesen über die Maßen. Er lässt sie den Buddha-Klang hören, den Klang des Dharma, den Klang der Śrāvakas, den Klang der Pratyekabuddhas, den Klang der Bodhisattvas, den Klang der Pāramitās und den Klang der Allwissenheit. Doch was immer er darlegt, ist ohne Klang. Er erkennt vollständig das Wirken dessen, was tief und wesentlich ist.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Erwecken aller Dhāraṇīs, König über alle. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so unterscheidet er alle unermesslichen Dhāraṇīs, das Wesentliche der vielen Weisheiten, und macht das ungehinderte Dharma gänzlich klar.
„Es gibt einen Samādhi mit Namen Läuterung aller Beredsamkeit, das Wirken des Unbedingten. Erlangt ein Bodhisattva diese Sammlung, so stillt und vertreibt er alle Klänge und alles Lehren durch Sprechen. Alles ist ohne Lehren durch Sprechen, ohne Echo und ohne Widerhall, ohne Wort, ohne Lehre und ohne irgendetwas.“
於是溥首白世尊:「唯然大聖!鄙身寧應講斯
典訓之功德乎?」
Da sprach Mañjuśrī zum Welterhabenen: „Wahrlich, großer Heiliger. Ist einer, der so gering ist wie ich, denn würdig, das Verdienst dieser schriftlichen Unterweisung darzulegen?“
告曰:「宜講。」
Er sprach: „So magst du es darlegen.“
溥首白佛:「假使菩
薩聞斯經典而不狐疑,發心受持而諷誦講
讀,其人現在得妙辯才,聰明辯、欣豫辯、深妙
辯、無合會,常行慈心加諸眾生,無毀復意。所
以者何?設使憂念所作趣,奉行其行,知諦隨
身,未曾捨離。」
Mañjuśrī wandte sich an den Buddha und sprach:
„Wenn ein Bodhisattva diesen Sūtra hört und keinen schwankenden Zweifel hegt, den Entschluss faßt, ihn anzunehmen und zu bewahren, und ihn rezitiert, unterweist und liest, so erlangt diese Person schon im gegenwärtigen Leben vortreffliche Beredsamkeit: scharfsinnige Beredsamkeit, freudige Beredsamkeit, tiefgründige und subtile Beredsamkeit und Beredsamkeit, die nicht zusammengefügt ist.
Beständig übt er den mitfühlenden Geist und erstreckt ihn auf alle Lebewesen, ohne den Gedanken zu schaden oder herabzusetzen. Weshalb ist das so? Selbst wenn er in Sorge und besorgtem Bedenken um den Lauf dessen ist, was zu tun ist, übt er eben diese Übung; und das Wissen um die Wahrheit begleitet ihn leiblich und wird niemals aufgegeben.“
爾時世尊讚溥首曰:「善哉,善哉!快說此言,誠
如之意。譬如布施獲致大富而不虛假,持戒
生天亦不虛假,令斯經典亦復如茲,學致辯
才亦不虛假,悉得本志,猶如日光出照天下
眾冥悉除。斯經如是,諷誦學者懷來辯才靡
不通達,喻如菩薩坐于道場,於佛樹下還得
無上真正之道,成最正覺。菩薩如是,學誦斯
經必得辯才,除諸狐疑。是故,溥首!假使菩薩
現欲興辯曉練諸法,聞斯經典心不猶豫,即
當受持、講說、諷誦,為諸眾會廣演其義。」
Da pries der Welterhabene Mañjuśrī und sprach:
„Vortrefflich, vortrefflich! Wohl hast du diese Worte gesprochen. Wahrlich, es ist, wie du es meinst.
„Es ist wie die Freigebigkeit, die großen Reichtum hervorbringt und nicht falsch ist; wie das Wahren der Gelübde, das die himmlische Geburt hervorbringt und nicht falsch ist. So verhält es sich auch mit diesem Sūtra: die Beredsamkeit, die durch das Lernen erlangt wird, ist nicht falsch, und der Mensch erfüllt ganz seinen ursprünglichen Entschluss.
„Es ist wie das Sonnenlicht, das aufgeht und über die Welt scheint und alle Finsternis vertreibt. So verhält es sich mit diesem Sūtra. Wer es rezitiert und lernt, der gelangt zur Beredsamkeit, und es gibt nichts, das er nicht durchdringt.
„Es ist wie ein Bodhisattva, der am Ort der Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum sitzt und daraufhin den unübertroffenen, wahren und rechten Weg erlangt und zur höchsten vollkommenen Erleuchtung gelangt. So verhält es sich mit dem Bodhisattva: wer dieses Sūtra lernt und rezitiert, der erlangt gewiss die Beredsamkeit und ist von allem schwankenden Zweifel befreit.
„Darum, Mañjuśrī, wenn ein Bodhisattva nun die Beredsamkeit hervorbringen und alle Dharmas meistern will, so soll er, sobald er dieses Sūtra hört, ohne Zögern im Geist es annehmen und bewahren, es darlegen und rezitieren und seinen Sinn ausführlich vor allen Versammlungen entfalten.“
爾時是離垢藏菩薩,前白佛言:「滅度後,其有
受持、諷誦、講說斯經法者,為眾會敷演其義,
鄙親當為宣解所歸,使不狐疑,疾得辯才。」
Zu jener Zeit trat der Bodhisattva Vimalagarbha hervor und redete den Buddha an mit den Worten:
„Nach dem parinirvāṇa des Erhabenen, wenn es solche gibt, die diese Sutra und ihren Dharma annehmen und bewahren, sie rezitieren und erklären und ihren Sinn der Versammlung darlegen, so will ich selbst ihnen das verkünden und erläutern, worauf sie sich stützen sollen, damit sie nicht in Zweifel wanken und rasch die Beredsamkeit erlangen.“
於
時弊魔愁毒垂淚,來詣佛所,白世尊曰:「唯無
建立於斯經,如來、至真、等正覺常懷大哀,其
有苦患施以大安。幸哉,大聖!願除吾惑。如昔
世尊初坐樹下處于道場,演此典法;今復重
加說斯經典。我今憂欝,心懷懊惱。其於如來
始得佛道,所救濟時,我之反側不能自勝;一
切皆當得不退轉,逮無上正真之道,成最正
覺,其有黎庶,耳聞斯經,聽音服名,悉當得道,
至于滅度。空我境界,虛魔宮殿。大聖撫育,興
建大悲,唯見矜濟。」
Zu jener Zeit kam der böse Māra, von Kummer vergiftet und Tränen vergießend, dorthin, wo der Buddha weilte, und sprach zum Welterhabenen:
„Möchte dieses Sūtra doch nicht verkündet werden. Der Tathāgata, der Wahrhaftigste, der Vollkommen Erwachte, hegt allezeit großes Mitgefühl, und denen, die unter Bedrängnis leiden, schenkt er großen Frieden. Sei gnädig, Großer Vollendeter. Ich bitte dich, nimm meine Verwirrung von mir.
„Wie einst der Welterhabene zuerst unter dem Baum am Ort des Erwachens saß und diese Dharma-Lehre darlegte, so legst du nun aufs Neue dieses Sūtra dar. Bedrückt bin ich jetzt von Kummer, mein Herz ist von Qual erfüllt.
„Als der Tathāgata zum ersten Mal den Buddha-Weg erlangte und die Wesen zur Erlösung führte, da wälzte ich mich ruhelos und konnte mich nicht beherrschen. Alle Wesen werden das Nicht-Zurückfallen erlangen, den unübertrefflichen, wahren und rechten Weg erreichen und die vollkommene Erleuchtung verwirklichen. Wenn das gewöhnliche Volk dieses Sūtra mit seinen Ohren hört, seinem Klang lauscht und seinen Namen aufnimmt, so werden alle den Weg erlangen und zum nirvāṇa gelangen.
„Mein Bereich wird entvölkert, der Palast Māras wird leer zurückbleiben. Großer Vollendeter, behüte und nähre mich. Erhebe dein großes Mitgefühl und sieh auf mich mit Erbarmen und Rettung.“
佛告魔曰:「波旬!莫恐,勿怖,
勿懅!一切眾生不悉滅度,如來亦不建立斯
經。」
Da sprach der Buddha zu Māra: „Pāpīyān, fürchte dich nicht, erschrick nicht, sei nicht beunruhigt. Nicht alle Lebewesen gelangen zur endgültigen Erlöschung, und der Tathāgata errichtet dieses Sūtra nicht.“
魔聞佛教,踊躍歡喜,善心生矣,忽然不現。
Als Māra die Lehre des Buddha vernahm, sprang er auf vor Freude, und ein heilsamer Geist erhob sich in ihm; und plötzlich war er nicht mehr zu sehen.
溥首白佛:「何故為魔而說斯教?」
Mañjuśrī wandte sich an den Buddha: „Aus welchem Grunde wurde diese Lehre um Māras willen dargelegt?"
佛告溥首:「斯
經典者,住無所住,是故為魔而說斯言:『吾不
建立斯經典也!』至誠不虛。一切諸法住無所
住,不可逮得,無有言教,離於二事,本際平等。
當諦無本,法界如稱,平若虛空,無適無莫,真
正無異。今經流布斯閻浮提,於天下當有瑞
應。」
Der Buddha sprach zu Mañjuśrī:
„Dieses Sūtra weilt im Nicht-Weilen. Darum wurde vor Māra dieses Wort gesprochen: ‚Ich errichte dieses Sūtra nicht.‘ Dies ist aufrichtig wahr und nicht falsch.
Alle Dinge weilen im Nicht-Weilen. Sie lassen sich nicht erlangen; ihnen eignet keine Lehre durch Worte, und sie sind frei von der Zweiheit von Subjekt und Objekt. Zurückverfolgt bis zu ihrem Urgrund, sind alle Dinge gleich. In der wahren Wirklichkeit haben sie keine Wurzel. Der Bereich der Dharmas ist wie eine Waage, eben wie der weite Himmel, ohne Vorliebe und ohne Abneigung, wahrhaft ohne Unterschied.
Nun wird dieses Sūtra sich über ganz Jambudvīpa verbreiten, und in der Welt wird ein verheißungsvolles Zeichen geschehen.“
世尊適建誠諦之教,自然空中音普廣聞,
誠如佛言,至誠不虛。
Kaum hatte der Welterhabene die Lehre der lauteren Wahrheit dargelegt, da war von selbst ein Laut zu vernehmen, weithin im Raume gehört, der sprach: Wahrlich, es ist, wie der Buddha gesprochen hat, lauter und wahrhaftig und nicht falsch.
佛告阿難:「受斯普門品
經之要,持諷誦讀宣示同學。」
Der Buddha sprach zu Ānanda: «Empfange die Essenz dieses Sūtra vom Universellen Tor. Bewahre es, rezitiere es, lies es laut und verkünde es deinen Mitschülern.»
又言:「阿難!是經
八萬四千法品之藏,計比斯典,等無差特。所
以者何?此經一句,普入無量之慧門,法界諸
要,唯如來分別曉了。眾生解斯經典而成佛
道,然後講說八萬四千諸經品藏。是故,阿難!
當受斯經消息,將慎諦持、諷誦。」
Und er sprach weiter:
„Ānanda, dieses Sūtra ist das Schatzhaus der vierundachtzigtausend Dharma-Abteilungen. Hält man diese Lehre daneben, so ist es ihm gleich, ohne Unterschied und ohne Sonderung.
Warum ist das so? Ein einziger Vers dieses Sūtra tritt allumfassend in die unermesslichen Tore der Weisheit ein, und die wesentlichen Punkte des Dharmadhātu erkennt und durchschaut allein der Tathāgata. Wenn die Lebewesen dieses Sūtra verstehen, so vollenden sie den Buddha-Weg; und erst danach wird das Schatzhaus der vierundachtzigtausend Dharma-Abteilungen dargelegt.
Darum, Ānanda, sollst du den wesentlichen Sinn dieses Sūtra empfangen, ihn sorgsam und achtsam bewahren und ihn rezitieren.“
為眾人說此
已,離垢藏菩薩、溥首僮真、賢者阿難,諸天、世
人、揵沓和、阿須倫,聞經歡喜,稽首作禮而退。
Als der Buddha dies vor der Versammlung gesprochen hatte, freuten sich der Bodhisattva Vimalagarbha, Mañjuśrī der Knabe und der ehrwürdige Ānanda, mit ihnen die Devas, die Menschen der Welt, die Gandharvas und die Asuras, nachdem sie das Sūtra gehört hatten; sie verneigten ihre Häupter zur Ehrerweisung und zogen sich zurück.