Prajñāpāramitā-hṛdaya Sūtra (Das Herz-Sūtra)
般若波羅蜜多心經
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大明太祖高皇帝御製般若心經序
Kaiserliches Vorwort zum Herz-Sūtra der Prajñā, verfasst von Kaiser Taizu Gao der Großen Ming.
二儀久判,萬物備周,子民者君君,育民者法
其法也。三綱五常以示天下,亦以五刑輔弼
之。有等凶頑不循教者,往往有趨火赴淵之
為,終不自省。是凶頑者,非特中國有之,盡天
下莫不亦然。俄西域生佛,號曰釋迦,其為佛
也,行深願重,始終不二。於是出世間脫苦
趣為其效也,仁慈忍辱務明心以立命,執
此道而為之,意在人皆在此利濟群生。今時
之人罔知佛之所以,每云法空虛而不實,何
以導君子、訓小人。以朕言之則不然。佛之
教實而不虛,正欲去愚迷之虛,立本性之實,
特挺身苦行,外其教而異其名,脫苦有情。昔
佛在時,侍從聽從者皆聰明之士,演說者乃三
綱五常之性理也。既聞之後,人各獲福。自佛
入滅之後,其法流入中國,間有聰明者動演
人天小果猶能化凶頑為善,何況聰明者知
大乘而識宗旨者乎。如心經每言空不言實,
所言之空乃相空耳。除空之外,所存者本性
也。所以相空有六,謂口空說相,眼空色相,耳
空聽相,鼻空嗅相,舌空味相,身空樂相。其六
空之相又非真相之空,乃妄想之相為之
空相,是空相愚及世人禍及今古,往往愈
墮彌深不知其幾。斯空相,前代帝王被所
惑而幾喪天下者,周之穆王,漢之武帝,唐之
玄宗,蕭梁武帝,元魏主燾,李後主,宋徽宗。
此數帝廢國怠政,惟蕭梁武帝、宋之徽宗以
及殺身,皆由妄想飛升及入佛天之地。其佛
天之地未嘗渺茫,此等快樂世嘗有之,為人
性貪而不覺,而又取其樂人世有之者,何且
佛天之地如。為國君及王侯者,若不作非為,
善能保守此境,非佛天者何如。不能保守而
偽為,用妄想之心即入空虛之境,故有如是,
斯空相,富者被纏則婬欲並生喪富矣,貧者
被纏則諸詐並作殞身矣,其將賢未賢之人
被纏則非仁人君子也,其僧道被纏則不能
立本性而見宗旨者也。所以本經題云心經
者,正欲去心之邪念以歸正道,豈佛教之妄
耶。朕特述此,使聰明者觀二儀之覆載,日月
之循環,虛實之孰取,保命者何如。若取有道、
保有方,豈不佛法之良哉!色空之妙乎!
Vor langer Zeit, als die zwei Prinzipien geschieden waren und die zehntausend Dinge in ihrer Vollständigkeit standen, waren es die Herrscher, die das Volk lenkten, und das Gesetz, das es nährte. Die Drei Bindungen und Fünf Beständigkeiten wurden der Welt vor Augen gestellt, und die fünf Strafen traten ergänzend hinzu. Doch immer hat es die Gewalttätigen und Widerspenstigen gegeben, die der Unterweisung nicht folgen, die wieder und wieder ins Feuer rennen und sich in den Abgrund stürzen und sich am Ende nicht prüfen. Solche Gewalttätigen und Widerspenstigen finden sich nicht allein im Reich der Mitte; nirgends auf der Welt ist es anders. Da wurde in den Westlichen Regionen ein Buddha geboren, Śākya genannt. Als Buddha war seine Übung tief, sein Gelübde schwer, von Anfang bis Ende ungeteilt. So war es sein Werk, die Welt zu überschreiten und die Wesen aus den Daseinsbereichen des Leidens zu befreien; in liebender Güte und in kṣānti, der Geduld des Ertragens, bemühte er sich, den Geist zu erhellen, um die Bestimmung zu festigen. An diesem Weg hielt er fest und ging ihn, in der Absicht, dass alle Menschen durch dieses Mittel der Schar der Lebewesen Nutzen und Errettung brächten.
Die Menschen der gegenwärtigen Zeit wissen nicht, worum es dem Buddha ging. Immerfort sagen sie: der Dharma ist leer und ohne Wirklichkeit, wie könnte er den Edlen leiten oder den gemeinen Mann unterweisen? Nach Unserem Urteil ist es nicht so. Die Lehre des Buddha ist wirklich und nicht leer. Was er suchte, war gerade dies: die Leerheit der Verblendung zu beseitigen und die Wirklichkeit der Eigennatur zu begründen. Darum trat er allein hervor in strenger Askese, stellte seine Lehre außerhalb des Hergebrachten und gab ihr einen anderen Namen, um die fühlenden Wesen aus dem Leiden zu lösen. Zu Buddhas Lebzeiten waren die, die ihm dienten, und die, die ihm zuhörten, allesamt Menschen von Einsicht, und was dargelegt wurde, war nichts anderes als die Natur und das Prinzip der Drei Bindungen und Fünf Beständigkeiten. Nachdem sie es vernommen hatten, gewann ein jeder Verdienst. Seit der Buddha ins Nirvāṇa einging, ist seine Lehre in das Reich der Mitte geflossen, und von Zeit zu Zeit haben Menschen von Einsicht selbst die geringeren Früchte des menschlichen und himmlischen Daseins dargelegt und vermochten doch die Gewalttätigen und Widerspenstigen zum Guten zu wandeln; wieviel mehr jene Einsichtigen, die das Mahāyāna kennen und seinen wesentlichen Sinn erfassen.
So spricht das Herz-Sūtra immerfort von Leerheit und nicht von Wirklichkeit. Doch die Leerheit, von der es spricht, ist nur die Leerheit der phänomenalen Merkmale. Jenseits dieser Leerheit, was übrigbleibt, ist die Eigennatur. Sechs sind die Leerheiten der phänomenalen Merkmale: der Mund ist leer des Merkmals der Rede, das Auge leer des Merkmals der Form, das Ohr leer des Merkmals des Klangs, die Nase leer des Merkmals des Geruchs, die Zunge leer des Merkmals des Geschmacks, der Leib leer des Merkmals der wohligen Berührung. Doch sind diese sechs Leerheiten der Merkmale noch nicht die Leerheit wahrer Merkmale; vielmehr werden die Merkmale verblendeten Vorstellens für das Merkmal der Leerheit gehalten. Dieses Merkmal der Leerheit hat die Menschen der Welt verwirrt und Unheil über die alte Zeit wie über die heutige gebracht, und wieder und wieder sind Menschen daran tiefer gefallen, in einer Zahl, die nicht zu erfassen ist.
Durch dieses Merkmal der Leerheit sind Herrscher früherer Dynastien geblendet worden und haben um ein Haar ihre Reiche verloren: König Mu von Zhou, Kaiser Wu von Han, Xuanzong von Tang, Kaiser Wu der Xiao-Liang, Kaiser Tao von Nördlichem Wei, Li Houzhu der Südlichen Tang, Huizong von Song. Diese mehreren Kaiser ruinierten ihre Staaten und ließen die Regierung erschlaffen; Kaiser Wu der Xiao-Liang und Huizong von Song verloren darüber sogar ihr Leben, alles wegen verblendeter Phantasien, als Unsterbliche aufzusteigen und in die Bereiche der Buddhahimmel einzugehen. Doch sind die Bereiche der Buddhahimmel niemals ein fernes Nebelbild gewesen. Solche Freuden hat die Welt selbst gekannt. Weil aber die menschliche Natur gierig und unbewusst ist, ergreifen die Menschen sogar jene Vergnügungen, die die menschliche Welt schon gewährt; wie sollten die Bereiche der Buddhahimmel anders sein? Wer Herrscher eines Staates ist, oder König oder Lehnsfürst, der kein Unrecht begeht und imstande ist, diesen gegenwärtigen Zustand zu bewahren, was ist das, wenn nicht ein Buddhahimmel? Vermag er ihn nicht zu bewahren und handelt falsch, mit einem Geist verblendeten Vorstellens, so tritt er sogleich in einen Bereich hohler Leere ein; und so ist es ergangen.
Durch dieses Merkmal der Leerheit, wenn die Reichen verstrickt sind, erhebt sich Lust und Begierde miteinander und ihr Reichtum geht verloren; wenn die Armen verstrickt sind, wird jede Art von Trug ersonnen, und sie richten sich selbst zugrunde; wenn die, die im Begriff sind, würdig zu werden, und es noch nicht sind, verstrickt sind, gelangen sie nicht dahin, gütige Männer und wahre Edle zu werden; wenn die Mönche und Daoisten verstrickt sind, vermögen sie die Eigennatur nicht zu begründen noch den wesentlichen Sinn zu erkennen.
Darum lautet der Titel des vorliegenden Sūtra Herz-Sūtra: gerade damit die abwegigen Gedanken des Herzens entfernt werden und es auf den rechten Pfad zurückkehrt. Wie sollte die Lehre des Buddha eine Verblendung sein? Wir haben dies eigens dargelegt, damit die Einsichtigen das Bedecken und Tragen der zwei Prinzipien betrachten, den Kreislauf von Sonne und Mond, und welches zu nehmen sei, das Leere oder das Wirkliche, und wie das Leben zu bewahren sei. Wenn das, was man nimmt, seinen Weg hat, und das, was man bewahrt, seine rechte Weise, wie sollte da der Buddha-Dharma nicht in der Tat vortrefflich sein? Solches ist das Wunder von Form und Leerheit.
般若波羅蜜多心經序
Vorrede zum Herz-Sūtra der Vollkommenheit der Weisheit
夫法性無邊,豈藉心之所度;真如非相,詎假
言之所詮。是故眾生浩浩無窮,法海茫茫何
極。若也廣尋文義,猶如鏡裏求形,更乃息念
觀空,又似日中逃影。茲經喻如大地,何物不
從地之所生,諸佛唯指一心,何法不因心之
所立。但了心地,故號總持,悟法無生,名為
妙覺。一念超越,豈在繁論者爾。
Die Dharma-Natur ist grenzenlos; wie könnte sie mit dem ermessen werden, was der Geist abmisst? Die Soheit trägt keine Merkmale; wie könnte sie mit dem gefasst werden, was Worte erläutern? Darum strömen die Wesen weiter und weiter ohne Ende, und das Meer des Dharma reicht weit ohne Grenze. Den Text und seine Bedeutungen weit zu durchsuchen, ist, als suchte man eine Gestalt im Spiegel; das Denken zur Ruhe zu bringen und die Leerheit zu betrachten, ist, als flöhe man am Mittag vor dem eigenen Schatten. Dieses Sūtra gleicht der großen Erde: welches Ding wäre nicht aus der Erde hervorgegangen? Die Buddhas weisen einzig auf den einen Geist: welcher Dharma wäre nicht durch den Geist begründet? Allein den geistigen Grund zu erkennen, das heißt vollständiges Bewahren, dhāraṇī; das Nicht-Entstehen der Dharmas zu erwachen, das heißt wunderbares Erwachen. Ein einziger Gedankenmoment übersteigt dies alles; wie sollte es in ausgebreiteter Erörterung liegen?
觀自在菩薩行深般若波羅蜜多時,照見五
蘊皆空,度一切苦厄。
Als der Bodhisattva Avalokiteśvara die tiefe prajñāpāramitā übte, sah er klar, daß die fünf Aggregate alle leer sind, und gelangte so über alles Leiden und alle Bedrängnis hinaus.
「舍利子!色不異空,空不
異色,色即是空,空即是色;受、想、行、識,亦復如
是。
Śāriputra, die Form ist nicht verschieden von der Leerheit, und die Leerheit ist nicht verschieden von der Form. Die Form ist eben Leerheit, und die Leerheit ist eben Form. Mit Empfindung, Wahrnehmung, Geistesformationen und Bewusstsein verhält es sich ebenso.
「舍利子!是諸法空相,不生不滅,不垢不淨,
不增不減。是故,空中無色,無受、想、行、識;無眼、
耳、鼻、舌、身、意;無色、聲、香、味、觸、法;無眼界,乃至
無意識界;無無明亦無無明盡,乃至無老死
亦無老死盡;無苦、集、滅、道;無智,亦無得。
Śāriputra, alle Dharmas sind mit Leerheit gezeichnet: weder entstehend noch vergehend, weder befleckt noch rein, weder zunehmend noch abnehmend. Darum gibt es in der Leerheit keine Form, keine Empfindung, keine Wahrnehmung, keine geistigen Gestaltungen, kein Bewusstsein; kein Auge, kein Ohr, keine Nase, keine Zunge, keinen Körper, keinen Geist; keine Form, keinen Klang, keinen Duft, keinen Geschmack, keine Berührung, keine Dharmas; kein Augenelement, bis hin zu keinem Bereich des Bewusstseins; keine Unwissenheit und kein Ende der Unwissenheit, bis hin zu kein Alter und Tod und kein Ende von Alter und Tod; kein Leiden, keinen Ursprung, kein Erlöschen, keinen Pfad; keine Erkenntnis und kein Erlangen.
「以無
所得故,菩提薩埵依般若波羅蜜多故,心無
罣礙;無罣礙故,無有恐怖,遠離顛倒夢想,究
竟涅槃。三世諸佛依般若波羅蜜多故,得阿
耨多羅三藐三菩提。
Weil es nichts zu erlangen gibt, ruht der Bodhisattva in der prajñāpāramitā, und sein Geist ist ungehindert. Weil sein Geist ungehindert ist, kennt er keine Furcht; fern aller verkehrten Ansicht und aller trügerischen Vorstellungen gelangt er zum endgültigen nirvāṇa. Die Buddhas der drei Zeiten erlangen, gestützt auf die prajñāpāramitā, anuttarā samyaksaṃbodhi, die unübertreffliche, vollkommene Erleuchtung.
「故知般若波羅蜜多是
大神咒、是大明咒、是無上咒、是無等等咒,能
除一切苦,真實不虛,故說般若波羅蜜多咒。」
Darum wisse: die prajñāpāramitā ist das große mächtige Mantra, ist das große leuchtende Mantra, ist das unübertroffene Mantra, ist das Mantra, das dem Unvergleichlichen gleichkommt. Sie vermag alles Leiden zu nehmen, wahrhaftig und ohne Trug. Darum wird das Mantra der prajñāpāramitā nun ausgesprochen.
即說咒曰:
Sodann sprach er das Mantra:
「揭帝 揭帝 般羅揭帝 般羅僧揭帝
菩提 莎婆訶」
gate gate pāragate pārasaṃgate bodhi svāhā